Oktober 22, 2026 1:25 a.m. CEST

Stadt sieht „rote Linie überschritten“

Menschen wüten gegen Statue auf deutschem Marktplatz


Aktualisiert am 20.10.2026Lesedauer: 2 Min.

Die Teufelsskulptur in Esslingen: Inzwischen bringt sie der Stadt am Neckar viel Ärger ein. (Quelle: Stadt Esslingen)

In Esslingen tobt ein Streit über eine neu enthüllte Teufelsstatue. Mehr als 5.000 Menschen haben eine Petition unterzeichnet. Nach einem Mordaufruf und einer Sachbeschädigung ermittelt nun die Polizei.

Anfang Oktober wurde die Enthüllung der neuen Teufelsstatue auf dem Esslinger Marktplatz noch gefeiert, das Werk aus Bronze als „neuer Blickfang“ gewürdigt. Doch inzwischen bringt die Statue der 46.000-Einwohner-Stadt im Großraum Stuttgart viel Ärger ein. Die Stadtgesellschaft ist gespalten: Manche würden die Statue am liebsten aus dem Stadtbild entfernen. Sie fühlen sich in ihrer Identität verletzt.

Die Skulptur, die den „Zwieblinger Teufel“ darstellen soll, war ein Geschenk der Sektkellerei Kessler zu ihrem eigenen Jubiläum und zum 1.250-jährigen Bestehen der Stadt.

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Mit ihr greift der Künstler Tim Bengel eine alte Esslinger Sage auf: Demnach wollte der Teufel auf dem Markt einen Apfel kaufen, doch eine schlaue Marktfrau verkaufte ihm stattdessen eine rote Zwiebel. Als der Teufel herzhaft hineinbiss, bemerkte er den Betrug. Wutentbrannt verfluchte er die Esslinger als „Zwieblinger“ und verschwand aus der Stadt. Der Spitzname ist bis heute in der historisch stark protestantisch geprägten Stadt am Neckar geblieben.

„Anstatt die Heldin zu ehren, stellt man den Teufel hin“

Allerdings stößt der „Zwieblinger Teufel“ auf dem Marktplatz bei Teilen der Bevölkerung auf Widerstand. In sozialen Medien bekunden zahlreiche Bürger ihren Unmut. Eine Petition sammelte mehr als 5.000 Unterschriften. Kritisiert wird darin unter anderem „fehlende Repräsentation“: „Anstatt die Heldin zu ehren, stellt man den Teufel hin. Wir haben jetzt wortwörtlich den Teufel in unserer Stadt.“

Die Statue „Zwieblinger Teufel“ des Künstlers Tim Bengel. (Quelle: Christoph Schmidt/dpa)

Bezogen auf die Sage heißt es in der Petition: „Warum zeigt die Skulptur nicht die Frau, sondern den Teufel?“ Der zentrale Platz, so die Unterzeichner, gehöre „allen Bürgerinnen und Bürgern, nicht einer kontroversen Einzelinterpretation“. Die „eigentliche Heldin der Esslinger Sage“ verdiene ein eigenes Denkmal.

Die Unterzeichner kritisieren die Skulptur und sehen christliche Werte in Gefahr: „Ein christlich geprägtes Land, ein Weihnachtsmarkt-Stadtzentrum, Familien mit Kindern – die goldene Teufelsfigur sendet Signale, die viele Esslinger nicht mit ihrer Identität verbinden können.“

Morddrohung wegen Skulptur: „Rote Linie überschritten“

Mittlerweile hat sich der Streit um die Statue derart zugespitzt, dass auch die Polizei Ermittlungen einleiten musste. Man gehe „einer Handvoll Fälle wegen Bedrohungen gegen Leib und Leben nach“, erklärte ein Polizeisprecher auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Stadt spricht von einem konkreten Mordaufruf gegen Oberbürgermeister Matthias Klopfer (SPD) und weiteren Bedrohungen, Aufrufen zu Sachbeschädigung und Beleidigungen.

Am vorvergangenen Wochenende in der Nacht auf Samstag (10. Oktober) wurde die Skulptur laut Stadt mit schwarzer Farbe besprüht. „Öffentliche Kunst kann unterschiedliche Reaktionen auslösen und unterschiedlich bewertet werden. Das ist verständlich und gehört zu einer lebendigen Auseinandersetzung mit Kunst im öffentlichen Raum“, stellte die Stadt daraufhin klar, betonte jedoch zugleich: Wenn Kunstwerke beschädigt und Mordaufrufe ausgesprochen würden, sei eine „rote Linie überschritten“. Für die Stadt steht trotz der Kritik fest: Die umstrittene Figur bleibt an Ort und Stelle vor dem Rathaus stehen. Es gebe auch viel Lob und Zustimmung.

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