Oktober 21, 2026 7:10 p.m. CEST

Mehl, Zucker, Wasser, Strom – kaum etwas wird in Russland derzeit nicht teurer. Manche Preise verdoppeln sich innerhalb kürzester Zeit. Und was macht Wladimir Putin? Er lässt sie weiter erhöhen.

„Die Wahlen sind vorbei – die Preise sind gestiegen.“ Ein Satz, der in Russland in den vergangenen Wochen fast zu so etwas wie einer Volksweisheit aufgestiegen ist. Er stammt von Swetlana Ischilenko – einer 36-jährigen Supermarkt-Mitarbeiterin aus Sotschi. Besser gesagt: ehemaliger Supermarkt-Mitarbeiterin. Denn der Satz kostete sie den Job.

Die Geschichte nahm kurz nach den sogenannten Wahlen in Russland im vergangenen September ihren Lauf. Einen Tag danach veröffentlichte Swetlana zusammen mit ihrer Kollegin Alisa Kunjaschowa ein Video in den sozialen Netzwerken, auf dem die zwei Frauen Preisschilder in einem Supermarkt austauschen. Die neuen Preisschilder offenbarten dabei Preissteigerungen zwischen 18 und 33 Prozent – buchstäblich von einem Tag auf den anderen.

Russland: „Wie aus dem Nichts haben sich die Preise verdoppelt“

Das Video verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Millionen Russen haben es inzwischen gesehen und geteilt. In den Kommentaren teilen sie ihre Beobachtungen aus ganz Russland. „Wir gehen inzwischen in den Supermarkt wie in ein Museum. Es ist peinlich, jemandem seinen Einkaufskorb zu zeigen“, schrieb ein Nutzer. Ein anderer kommentierte: „Ich bin völlig fassungslos – was ist mit den Preisen los?“ Eine junge Frau fügte angesichts der neuen Preise sarkastisch hinzu: „Ich fange an zu stehlen.“

Die Preissteigerungen beschränken sich nicht auf eine Supermarkt-Filiale in Sotschi. Überall in Russland berichten Menschen von rasanten Preisexplosionen. Eine Frau aus der Stadt Irkutsk unweit der Grenze zu Mongolei erzählte etwa: „Mehl kostete früher 36 bis 45 Rubel, jetzt 84.“ Nach aktuellem Kurs sind 84 Rubel 0,91 Euro. Eine Preissteigerung von mindestens 86 Prozent.

„Die Wahlen sind vorbei – und zack gibt es schon wieder eine Preiserhöhung“, sagte sie dem Lokalableger des unabhängigen Mediums „Radio Swoboda“. „Wie aus dem Nichts haben sich die Preise verdoppelt. Offen gesagt, habe ich inzwischen Angst, überhaupt noch in den Supermarkt zu gehen. Ich fürchte, dort die Hälfte meines Gehalts liegenzulassen“, gestand die zweifache Mutter.

Loading…

Embed

Preise in Russland steigen – die Renten nicht

Ein Mann aus der Stadt Ussolje-Sibirskoje am Fluss Angara erinnerte sich, dass ein ganzes Hähnchen 2022 rund 180 Rubel gekostet hat – heute sind es mehr als 500. „Das ist fast das Dreifache“, empörte er sich. Allein im Vergleich unmittelbar vor und nach den Wahlen sei der Preis um rund 50 Prozent gestiegen.

In Nowosibirsk wählt eine 65-jährige Rentnerin ihren Supermarkt inzwischen nach dem Eierpreisen aus. Dorthin, wo eine Zehnerpackung Eier mehr als 120 Rubel kostet, geht sie nicht mehr hin. Sie fährt dorthin, wo sie 109 Rubel zahlt. „Noch kurz vor den Wahlen kosteten die günstigsten Eier 95 Rubel“, berichtete sie im Gespräch mit „Sibir.Realii“. Ihre Rente sei hingegen nicht gestiegen. Die durchschnittliche Rente in der Region liegt nach offiziellen Angaben der russischen Regierung bei rund 25.000 Rubel oder 270 Euro (Stand Juli 2026).

Aktie.
Die mobile Version verlassen