Flugzeuge umgeleitet, Kampfjets im Einsatz
„Hier passen zwei Szenarien“
05.11.2026 – 19:19 UhrLesedauer: 3 Min.

Europaweit reißen Bombendrohungen den Flugverkehr aus dem Takt. Umleitungen, Sonderlandungen und Kampfjeteinsätze zeigen, wie verwundbar das System ist. Wer hinter den Drohungen steckt, ist bislang unklar. Doch Sicherheitsexperten sehen klare Muster.
Etliche Bombendrohungen haben am Donnerstag den europäischen Flugverkehr massiv gestört. Betroffen waren Flüge rund um Dublin, Rom, Mailand, Warschau, Brüssel und Helsinki. Mehrere Maschinen mussten außerplanmäßig landen, andere wurden von Kampfjets begleitet.
In Bukarest durchsuchten Spezialisten des rumänischen Inlandsgeheimdienstes SRI ein Flugzeug mit 182 Passagieren und sieben Besatzungsmitgliedern, fanden aber keinen Sprengstoff. Auch in Kopenhagen und Salzburg rückten Einsatzkräfte aus. Bereits am Dienstag hatte es ähnliche Drohungen gegeben. Wer die Bombendrohungen zu verantworten hat und ob die Fälle zusammenhängen, ist zurzeit noch nicht geklärt. Der Sicherheitsexperte Manuel Atug sieht aber mehrere Möglichkeiten.
Russland, Extremisten, Trittbrettfahrer – alles ist möglich
„Eine Möglichkeit wären Akteure, die aus Spaß am Schaden oder um andere aktiv zu schädigen, solche Bombendrohungen aussprechen. Vergleichbar mit dem Swatting, bei dem Fakeanrufe dazu führen, dass Sondereinsatzkommandos zu den Opfern ausgesendet werden.“
Eine andere wesentliche Möglichkeit wäre ein hybrider Angriff. „Die dahinterstehende Logik wäre die Destabilisierung der Bevölkerung. Dazu gehören auch Angriffe auf oder Sabotage kritischer Infrastrukturen“, erläutert Atug im Gespräch mit t-online. „Wenn europaweit mehrere Flughäfen von solchen Drohungen betroffen sind und daraufhin den Betrieb einstellen oder Flüge umleiten müssen, hat das erhebliche Folgen: Passagiere sind verärgert, es entstehen wirtschaftliche Schäden und hohe Kosten.“ Gleichzeitig werde der Eindruck vermittelt, dass der Staat und die Strafverfolgungsbehörden nicht in der Lage sind, solche Vorfälle zu verhindern.

Zur Person
Manuel Atug ist Sicherheitsexperte, Gründer und Sprecher der Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen (AG KRITIS). Er ist regelmäßig für die Bundesregierung und die Bundesländer als Sachverständiger in Fragen der Cybersicherheit und des Katastrophenschutzes tätig.
„Entscheidend ist letztlich, welche Motivation die jeweiligen Akteure haben und welches Ziel sie verfolgen“, so Atug. „Grundsätzlich passen beide Szenarien zu diesem Muster: Entweder handelt es sich um Personen, die schlicht Spaß daran haben, andere zu terrorisieren oder zu stören und zu zerstören. Oder es sind Akteure, die gezielt demonstrieren wollen, wie leicht sie mit einfachen Mitteln ein System lahmlegen und erhebliche Störungen verursachen können. Beide Varianten sind denkbar.“
Atug warnt vor vorschnellen Schuldzuweisungen. Russland könnte ebenso dahinterstecken wie die Störer aus Spaß, einzelne Extremisten oder Trittbrettfahrer. „Im Moment ist jede dieser Erklärungen eine Hypothese. Wer jetzt schon eine davon zur Wahrheit erklärt, ersetzt Ermittlungen durch Spekulation und vergrößert die Verunsicherung in der Bevölkerung.“
„Das Ziel scheint Störung – nicht Zerstörung – zu sein“
Der Terrorexperte Peter Neumann äußerte unterdessen einen konkreteren Verdacht. „Das Muster spricht für eine breit angelegte Störaktion. Weder Fluggesellschaften noch Flugrouten oder Nationalitäten bilden einen gemeinsamen Nenner“, schrieb er auf der Plattform X. Offenbar gehe es darum, möglichst viel Unsicherheit im europäischen Luftverkehr zu erzeugen.












