Vorwurf der Volksverhetzung
Zentralrat der Sinti und Roma zeigt AfD-Chef Chrupalla an
Von t-online, afp, reuters
02.09.2026 – 13:39 UhrLesedauer: 3 Min.
AfD-Frontmann Tino Chrupalla steht Ärger mit der Justiz ins Haus. Gegen ihn wurde Anzeige wegen Volksverhetzung und Beleidigung eingereicht.
Der Zentralrat der Sinti und Roma in Deutschland hat Strafanzeige gegen den AfD-Ko-Vorsitzenden Tino Chrupalla wegen Volksverhetzung und Beleidigung erstattet. Hintergrund ist ein Wahlkampfauftritt des AfD-Politikers in Mecklenburg-Vorpommern. Chrupalla hatte nach dem Fund von Waffen nahe Berlin bei einer Veranstaltung in Grimmen erklärt: „Da findet man zwei Waffen, zwei Pistolen die wahrscheinlich irgendwelche Zigeuner dort verloren haben, beim Pilzesuchen.“
Der diskriminierende Ausdruck erinnert an die Fremdbezeichnung durch Nationalsozialisten im Dritten Reich. Die am meisten geläufige Eigenbezeichnung ist Sinti und Roma oder Romanes.
Der Zentralrat teilte in einer Erklärung mit, er sei „fassungslos darüber, dass 81 Jahre nach Auschwitz eine gesichert rechtsextreme Partei im Wahlkampf auf zynische Art wieder gegen Sinti und Roma hetzt“. Weiter heißt es: „“Der Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, Chrupalla, bestätigt einmal mehr das Weltbild seiner Partei, die mit dem Schüren von Angst und dem Verbreiten von Hass gegen Minderheiten, Menschen ausgrenzt und stigmatisiert.“
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Sinti und Roma kamen im frühen Mittelalter vermutlich aus Indien nach Deutschland. Die Diskriminierung erreichte ihren Höhepunkt während des Dritten Reiches, als dem NS-Völkermord bis zu 500.000 Angehörige der Minderheit zum Opfer fielen.
Diskriminierung setzt sich nach 1945 fort
Die Diskriminierung setzte sich nach 1945 fort. So scheiterte in Frankfurt am Main eine von Sinti und Roma eingereichte Anzeige gegen den NS-Rassenbiologen Robert Ritter. Den Zeugen sei „kein Glauben zu schenken“, befand die Ermittlungsbehörde damals.
Ritters enge Mitarbeiterin Eva Justin wirkte nach 1945 weitgehend unbehelligt bis zu ihrer Pensionierung bei der Stadtverwaltung in Frankfurt am Main, ebenso der Rassenbiologe Hermann Arnold beim Gesundheitsamt in Landau in der Pfalz. Das Landeskriminalamt in Bayern führte bis in die 1970er-Jahre eine sogenannte Landfahrerkartei. Die Autorin Madeline Potter stellte in ihrem Buch „Die Roma. Eine Geschichte von Identität und Widerstand“ fest: „Die gesamte Geschichte unserer Erfahrungen, Kultur und Traditionen hat die heutige Identität der Roma geprägt. Sie hat aber auch eine dunkle Seite. Seit Jahrhunderten erfahren wir als Individuen und als Gemeinschaft Hass und Verfolgung.“
