September 16, 2026 5:55 p.m. CEST

Forscher warnen

Frühstart-Rente: So schnell bleiben 20.000 Euro liegen


16.09.2026 – 14:38 UhrLesedauer: 4 Min.

Eine Frau blickt skeptisch auf ein Dokument: Bei der Frühstart-Rente kann aus Sicht von Ökonomen noch einiges schiefgehen.

Eine Frau blickt skeptisch auf ein Dokument (Symbolbild): Bei der Frühstart-Rente kann aus Sicht von Ökonomen noch einiges schiefgehen. (Quelle: nortonrsx/getty-images-bilder)

Zehn Euro im Monat vom Staat: Die Frühstart-Rente soll helfen, ein Vermögen aufzubauen. Doch Ökonomen sehen im Gesetzentwurf drei Schwachstellen.

Es ist eine der großen Reformen in der Altersvorsorge: Künftig soll der Staat allen Kindern vom 6. bis zum 18. Lebensjahr zehn Euro monatlich spendieren, die dann langfristig am Kapitalmarkt angelegt werden. Dafür sind Eltern angehalten, ab 2027 ein zertifiziertes Depot zu eröffnen, auf das dann die staatliche Förderung fließen kann. Tun sie das nicht, ist das Geld aber nicht verloren. Die Bundesbank legt es dann kollektiv an; betroffene Kinder können ihren Anspruch darauf geltend machen, sobald sie volljährig sind.

So sieht es der Gesetzentwurf zur sogenannten Frühstart-Rente vor, den das Bundeskabinett im August beschlossen hat. Aus den insgesamt 1.440 Euro Startkapital, die über die zwölf Jahre fließen, könnte dann bis zur Rente eine beachtliche Summe werden – vorausgesetzt, die Sparer führen das Depot mit eigenen Einzahlungen weiter.

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Frühstart-Rente: Ökonomen sehen drei Schwachstellen

Wissenschaftler vom Leibniz-Institut Safe (Sustainable Architecture for Finance in Europe) attestieren dem Regierungsentwurf in einem Papier allerdings drei Schwachstellen, die die kollektive Auffanglösung bei der Bundesbank betreffen. Eine davon könnte am Ende richtig teuer werden.

Wie teuer genau, zeigt eine Beispielrechnung aus dem Papier. Sie macht deutlich, wie stark selbst kleine Unterschiede über Jahrzehnte wirken: Aus den staatlichen Zahlungen von zehn Euro im Monat über zwölf Jahre werden demnach bei einer jährlichen Rendite von 7 Prozent bis zum Renteneintritt rund 58.200 Euro, sofern die jährlichen Gebühren bei nur 0,1 Prozent liegen. Betragen die Gebühren dagegen 1 Prozent, sind es nur noch etwa 36.300 Euro. Das sind mehr als 20.000 Euro Unterschied allein wegen der Kosten. Die Forscher pochen deshalb darauf, dass die Anlagestrategie stimmen muss.

Forscher empfehlen: keine halben Sachen

Die Ökonomen empfehlen ein breit gestreutes, rein aktienbasiertes Portfolio – also 100 Prozent Aktien, ohne die sonst übliche Beimischung von Anleihen. Ihr Argument: Bei einem Anlagehorizont von mehreren Jahrzehnten spielen kurzfristige Kursschwankungen keine Rolle, denn der Markt hat Zeit, sich zu erholen. Aktien erzielten historisch die höchsten langfristigen Renditen – über lange Zeiträume real rund 7 Prozent pro Jahr, während Anleihen nur 1 bis 2 Prozent brachten. Erst kurz vor dem Rentenalter solle schrittweise in risikoärmere Anlagen umgeschichtet werden.

Hier liegt das Problem: Der ursprüngliche Referentenentwurf sah noch ausdrücklich vor, das Geld „ausschließlich in Aktien oder Aktienfonds global diversifiziert“ anzulegen. Im nun beschlossenen Regierungsentwurf ist diese Festlegung gestrichen. Ob am Ende vollständig, teilweise oder gar nicht in Aktien investiert wird, soll erst später in einer sogenannten Anlagerichtlinie entschieden werden – festgelegt vom Finanzministerium im Einvernehmen mit Kanzleramt und Bundesbank, ohne dass das Parlament erneut mitentscheidet.

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