September 15, 2026 7:59 p.m. CEST

Die Bundesregierung plant im Haushalt 2027 mehr Ausgaben und mehr Schulden. Letztere kosten immer mehr Geld. Der Bundesrechnungshof warnt vor einer „Schuldenfalle“. Was heißt das am Ende für die Bürger?

Mehr Schulden heißt für Deutschland: mehr Zinslast. Noch ist das Ganze tragbar. Doch der mediale Aufschrei, dass Deutschland seine Kreditwürdigkeit aufs Spiel setzt, ist groß. Ist die Sorge berechtigt? Und was heißt das für uns?

(Quelle: Rüdiger Jürgensen)

Zur Person

Antje Erhard arbeitet seit rund 20 Jahren als Journalistin und TV-Moderatorin. Ihr Weg führte sie von der Nachrichtenagentur dpa-AFX u. a. zum ZDF. Derzeit arbeitet sie für die ARD-Finanzredaktion in Frankfurt und berichtet täglich, was in der Welt der Börse und Wirtschaft passiert.

Schauen wir uns die Fakten an: 555 Milliarden Euro Ausgaben – sechs Prozent mehr als in diesem Jahr. Mit so vielen Ausgaben plant die Bundesregierung das Jahr 2027. Sie nimmt dafür rund 118 Milliarden Euro neue Schulden auf. Dazu kommen die Sondervermögen für Bundeswehr und Infrastruktur. So kommen gut 200 Milliarden Euro zusätzliche Schulden auf Deutschland zu. Dabei kosten im kommenden Jahr allein die Zinsen der bisherigen Schulden schon 41 Milliarden Euro.

Deutschland lebt über seine Verhältnisse

Der Bundesrechnungshof warnt vor einer „Schuldenfalle“, denn Ende 2020 hatte Deutschland 1,5 Billionen Euro Schulden – zehn Jahre später werden es fast drei Billionen sein. Das sind zwar noch keine amerikanischen Verhältnisse. Dort sind 40 Billionen Dollar (ca. 34 Billionen Euro) Miese aufgelaufen. Und im EU-Vergleich ist Deutschland immer noch ein Waisenknabe. Die Verschuldung beträgt knapp 65 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zum Vergleich: Frankreich hat 3,5 Billionen Euro Schulden, 117 Prozent der Wirtschaftsleistung. Italien 138 Prozent, die USA 125 Prozent. Dass es auch anders geht, zeigt Skandinavien. Schweden etwa hat rund 35 Prozent Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung.

Zuallererst: Deutschland kann diese Schulden tragen, hat beste Bonitätsbewertungen, sodass das Leihen fremden Geldes nicht so ausufernd und belastend wird wie in anderen Ländern. Aber auch für Deutschland wird es immer teurer, diese Schulden zu schultern. Aktuell ist knapp jeder dritte ausgegebene Euro kreditfinanziert. Mit anderen Worten: Das Land lebt über seine Verhältnisse. Es wird zu wenig gespart, sagt der Bundesrechnungshof. Und wenn die Schulden weiter steigen, steigt auch die Zinslast. 2030 könnten dann 80 Milliarden Euro Zinskosten pro Jahr anfallen. Das wäre doppelt so viel wie für 2027 geplant.

Noch haben wir Top-Bewertungen

So weit, so schlecht. Nun ist die Frage, was würde noch an Kosten dazukommen, wenn die Bewertungseinrichtungen von Kreditwürdigkeit, sogenannte Ratingagenturen, ihre Top-Einschätzung für Deutschland senkten? Denn in den aktuellen Prognosen der Regierung zu Zinsen und Kosten ist eine mögliche Abstufung der Bonität Deutschlands nicht drin.

Um es ganz klar zu sagen: Stand jetzt hat Deutschland Top-Bewertungen. Und bevor sich daran etwas ändert, muss einiges passieren. Was künftig aber durchaus geschehen könnte: Wenn die Schulden weiter steigen und das Wachstum niedrig bleibt oder ausbleibt, dann könnten die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit von Deutschland senken. Im Frühjahr haben die wichtigsten Agenturen S&P, Fitch und Moody’s noch das sogenannte AAA-Rating bestätigt, also beste Bonität. Und sie haben auch einen beruhigenden Ausblick gegeben. Das hat Gründe: Deutschland ist politisch stabil, betreibt bis dato eine vergleichsweise solide Haushaltspolitik, die Rückzahlung der Schulden ist sehr sicher.

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