November 5, 2026 4:23 p.m. CET

Trumps gebrochenes Versprechen

Inflation steigt – jetzt zieht die Fed die Notbremse


05.11.2026 – 15:46 UhrLesedauer: 4 Min.

USA-TRUMP/

US-Präsident Donald Trump: Sein Versprechen, die Inflation zu senken, hat er nicht eingehalten – jetzt wird wohl die US-Notenbank im Dezember die Leitzinsen anheben. (Quelle: Umit Bektas/reuters)

Unter Ökonomen herrscht Einigkeit: Im Dezember erhöht die Fed den Leitzins. Warum das für Anlegerinnen und Anleger keine schlechte Nachricht sein muss.

Die Demokraten feiern bei den US-Zwischenwahlen einen deutlichen Erfolg: Sie übernehmen die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses. Dabei hatte Donald Trump seinen Wählerinnen und Wählern 2024 versprochen, die Inflation werde „vollständig verschwinden“.

Die Realität sieht anders aus. Der anhaltende Konflikt mit dem Iran treibt die US-Benzinpreise im Jahresvergleich um 40 Prozent nach oben. Dieser äußere Preisschock durch die hohen Ölpreise dürfte sich mit Verzögerung auch auf andere Alltagsprodukte und Dienstleistungen auswirken – und die Inflation deutlich anheizen.

Für Anlegerinnen und Anleger, die in weltweit gestreute Aktienfonds, ETFs, Anleihen und Gold investieren, hat ein weiterer Zinsschritt der US-Notenbank Fed direkte Bedeutung. Das gilt umso mehr, als auch die Europäische Zentralbank (EZB) vor einer ähnlich schwierigen Aufgabe steht.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Die Inflation in den USA liegt zurzeit bei 3,7 Prozent im Jahresvergleich. Die Kerninflation bewegt sich mit 2,6 Prozent (Stand Oktober 2026) im moderat erhöhten Bereich. Ein Berechnungsmodell der Cleveland Fed – zuständig für Ohio sowie Teile von Pennsylvania, Kentucky und West Virginia – zeigt jedoch: Im November könnte die Inflation sogar auf über 4,2 Prozent zusteuern. Geopolitische Konflikte und angekündigte Zölle treiben diesen Anstieg an.

Die Fed selbst rechnet für das Gesamtjahr 2026 im Schnitt mit einer Inflation von 3,2 bis 3,7 Prozent. Das heißt: Die Preise steigen in den nächsten Monaten erst einmal weiter spürbar. Das Leben bleibt teuer.

Bei ihrer jüngsten Sitzung beließ die Fed den Leitzins wie erwartet unverändert in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent. Als Begründung führte der Offenmarktausschuss an, dass weitere Daten helfen werden, den angemessenen geldpolitischen Kurs zu bestimmen. Für Eric Winograd, Chefökonom bei AllianceBernstein, ist das ein klares Signal: Die Fed dürfte nach Auswertung weiterer Daten im Dezember die Zinsen erhöhen.

Notenbankchef Kevin Warsh begründete den jüngsten Verzicht auf einen Zinsschritt damit, dass bis zur Dezembersitzung zahlreiche neue Informationen vorliegen werden – darunter zwei Inflationsberichte und zwei Arbeitsmarktberichte. „Ein durchaus nachvollziehbarer Grund, die Entscheidung zu vertagen“, kommentiert Winograd diesen Schritt.

US-Notenbankchef Kevin Warsh: Der Fed-Chef hält sich bezüglich einer Zinserhöhung im Dezember bewusst alle Türen offen und lehnt eine klare Festlegung strikt ab. (Quelle: Kevin Lamarque)

Geteilte Macht begünstigt Aktienmärkte

Anthony Willis, Ökonom bei Columbia Threadneedle Investments, sieht die Inflation weiterhin deutlich über dem Zielwert liegen – seit sechs Monaten übersteigt sie sogar das Lohnwachstum in den USA. „Die amerikanischen Verbraucher reagieren auf die gestiegenen Preise damit ähnlich wie bei der Wahl 2024, als Joe Biden und Kamala Harris vor dem Hintergrund einer hartnäckig hohen Inflation und der damit verbundenen Kaufkraftverluste eine Niederlage hinnehmen mussten“, erklärt Willis.

Aus makroökonomischer Sicht liefert die Vergangenheit allerdings auch eine positive Nachricht, wie Willis betont: Blockieren sich die beiden politischen Lager nach dem Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen gegenseitig und bringen sie keine neuen Gesetze durch, kommt das der Börse zunächst zugute.

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