Der Heimvorteil „An der Alten Försterei“ ist also real. Die Fans kommen nicht nur aus Loyalität – sie bringen vor allem eine Atmosphäre mit, die die Gegnerinnen beeindrucken soll. Dass sich andere Topklubs wie der VfL Wolfsburg (3.420 Zuschauer im Schnitt) oder Eintracht Frankfurt (3.079) weiterhin mit Nebenplätzen und Mini-Kulissen begnügen, ist aus Berliner Sicht kaum nachvollziehbar. Auch Ex-Nationaltorhüterin Merle Frohms und Real Madrid waren vor Saisonstart in Köpenick. Was blieb, waren vor allem die Eindrücke: „Erstmal Respekt, bei einem Testspiel so eine Kulisse zu schaffen. Es war beeindruckend und eine super coole Atmosphäre“, sagte Frohms nach dem 3:1-Sieg.
Die Zuschauerzahlen stimmen, das Ziel ist klar vorgegeben. Aktuell steht Union Berlin auf dem fünften Tabellenplatz der Bundesliga. Sportlich verlief der Start durchwachsen – was bei einem Aufsteiger kaum überrascht. 1:1 zum Auftakt gegen den 1. FC Nürnberg, eine 2:3-Niederlage gegen Bayer Leverkusen. Doch das Selbstvertrauen wuchs. Es folgten die Siege gegen Essen und Jena.
Und es geht mit schweren Aufgaben weiter: Nach Freiburg, Köln, Leipzig und Bremen kommt es im Hinrunden-Schlussspurt innerhalb von drei Tagen zu Krachern gegen die Bundesliga-Dominatoren: Am 4. November trifft Union auf Wolfsburg, ehe am 7. November das Duell in München folgt.
Trainerin Ailien Poese sagte bereits im Sommer dem RBB: „Grundsätzlich geht es nicht nur darum, die Klasse zu halten, sondern darum, gut in der Liga anzukommen.“ Und Union ist dabei ein Modell dafür, wie ambitionierter, ernst gemeinter Frauenfußball aussehen kann. Der Verein nutzt seine Mittel, Strahlkraft und Fankultur – und überträgt sie auf die Frauenabteilung. Die Aufgaben gehen also über das Sportliche hinaus: Die Frauen von Union Berlin sind auch gekommen, um etwas zu verändern.














