Verfall beschleunigt sich
In Kuba verschärft sich die Krise
13.09.2026 – 14:06 UhrLesedauer: 4 Min.

In Kuba ist der Tourismus fast gänzlich zum Erliegen gekommen. Was das für die Menschen in dem ohnehin verarmten Land bedeutet, erklärt ein Exilkubaner und Menschenrechtsaktivist.
94 Prozent der Kubaner leben nach aktuellen Angaben des Kubanischen Menschenrechtsobservatoriums (OCDH) in extremer Armut. Acht von zehn haben den Angaben nach in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine tägliche Mahlzeit ausfallen lassen müssen – aus Geld- oder Lebensmittelmangel.
Yaxys Cires lebt als Exilkubaner in Spanien. Der Jurist und Menschenrechtsaktivist ist strategischer Direktor des OCDH. Im Gespräch mit t-online mahnt Cires eine „wachsende Verarmung kubanischer Familien“ an. Dass der Tourismus, einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Karibikinsel, im Zuge der US-Sanktionen beinahe zum Erliegen gekommen ist, verschärft die Krise zusätzlich.
Der Niedergang kam nicht plötzlich. „Der Rückgang des Sektors hatte sich bereits seit Jahren abgezeichnet“, sagt Cires. Offiziellen kubanischen Zahlen zufolge kamen 2024 noch 2,2 Millionen internationale Touristen auf die Insel – 9,6 Prozent weniger als im Jahr zuvor und – abgesehen von den Pandemiejahren – der niedrigste Wert seit 17 Jahren.
Staatsform Kubas
Kuba ist ein zentralistisch organisierter, sozialistischer Inselstaat. Die führende Rolle der Kommunistischen Partei (PCC) ist per Verfassung festgeschrieben. Der Staat bezieht seine Legitimität aus der Revolution von 1959 unter Fidel Castro sowie der Abgrenzung zu den USA und deren harter Sanktionspolitik.
Absturz immer deutlicher sichtbar
„Allerdings hat sich die Katastrophe 2025 noch verschärft“, sagt Cires. Zum Vergleich verweist er auf die Dominikanische Republik: Sie zählte 2024 mehr als elf Millionen Besucher und damit fünfmal so viele wie Kuba.
Inzwischen ist der Absturz immer deutlicher sichtbar. Hotels verlieren ihre ausländischen Betreiber, Airlines streichen ihre Verbindungen, Reiseveranstalter nehmen Kuba aus dem Programm. Die leeren Hoteltürme muten an wie Geisterkulissen.
Große Hotelketten ziehen sich aus Kuba zurück
Im Sommer erreichte der Rückzug ausländischer Tourismusunternehmen eine neue Dimension. Die spanische Hotelgruppe Meliá stellte im Juli sämtliche Management- und Vermarktungsaktivitäten für ihre 34 kubanischen Hotels ein. Zuvor hatten bereits Iberostar und Barceló ihre Tätigkeit auf der Insel beendet. Damit verschwanden binnen weniger Wochen die drei wichtigsten spanischen Hotelketten aus dem kubanischen Markt.
Die Unternehmen reagierten damit auch auf die nochmals verschärften Sanktionen der USA. Washington hatte den Druck auf ausländische Firmen erhöht, die mit staatlichen kubanischen Unternehmen und insbesondere dem mächtigen Militärkonglomerat Gaesa Geschäfte machen.
Meliá nannte neben der geopolitischen Lage auch rechtliche, wirtschaftliche und operative Schwierigkeiten als Grund für seinen Rückzug. Für Kuba trifft diese Entwicklung einen Sektor, in den der Staat über Jahre erhebliche Mittel gelenkt hat.
