Mögliche Folgen bei Frauen
Studie wirft neues Licht auf Paracetamol
Aktualisiert am 09.09.2026 – 12:12 UhrLesedauer: 4 Min.
Viele Schwangere nehmen Paracetamol ein. Eine Studie deutet nun darauf hin, dass das Medikament die Fruchtbarkeit ihrer Töchter beeinflussen könnte. Experten ziehen daraus unterschiedliche Schlüsse.
Paracetamol ist das am häufigsten verwendete Schmerz- und Fiebermittel in der Schwangerschaft und wird weltweit als Mittel der Wahl empfohlen.
Die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft könnte einer neuen Studie zufolge aber bei Mädchen womöglich die Fruchtbarkeit und den Zeitpunkt der Menopause beeinflussen. Mädchen, deren Mütter während der Schwangerschaft Paracetamol eingenommen hatten, wiesen kleinere Eierstöcke, weniger Eibläschen – Strukturen, die unreife Eizellen enthalten –, kleinere Gebärmütter und niedrigere Spiegel an Fortpflanzungshormonen auf. Die Studie wurde kürzlich im Fachjournal „Human Reproduction Open“ veröffentlicht.
Verdacht bereits aus Tierstudien
Laut dem Team um Margit Bistrup Fischer vom Rigshospitalet in Kopenhagen stehen die Ergebnisse im Einklang mit Befunden aus Tierstudien. Denen zufolge könne Paracetamol während der Trächtigkeit eine eingeschränkte Fruchtbarkeit sowie eine verkürzte reproduktive Lebensspanne der weiblichen Nachkommen zur Folge haben. Bei der aktuellen Analyse handle es sich aber um eine Beobachtungsstudie, die Daten belegten den Zusammenhang nicht ursächlich, wird auch betont. Ob die Unterschiede an den Fortpflanzungsorganen tatsächlich Folgen für die Fruchtbarkeit oder den Zeitpunkt der Menopause haben, müsse in längerfristigen Nachbeobachtungen geklärt werden.
Bekannt ist jedoch: Die Grundlage der späteren Fortpflanzung wird bereits im Mutterleib gelegt. Mädchen kommen mit der gesamten Zahl an Eizell-Anlagen zur Welt, die ihnen lebenslang zur Verfügung steht. Ist der Vorrat erschöpft, kommt es zur Menopause. Das ist der Zeitpunkt der letzten Regelblutung, anschließend endet die fruchtbare Phase dauerhaft.
Folgen unterschieden sich je nach Schwangerschaftsphase
Die Wissenschaftler um Fischer hatten Daten von 685 Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel analysiert. Die werdenden Mütter gaben ihre Paracetamol-Nutzung im Zwei-Wochen-Rhythmus an, zusätzlich wurden Urinproben analysiert. Nach Ende der Schwangerschaften wurden 302 Töchter im Alter von im Mittel 106 Tagen untersucht.
Eine frühe Einnahme vor der 17. Schwangerschaftswoche war mit einem rund 40 Prozent geringeren Eierstockvolumen und einem 13 Prozent geringeren Gebärmuttervolumen bei den Töchtern verbunden. Eine Einnahme ab der 17. Schwangerschaftswoche stand mit einer 23 Prozent geringeren Zahl an Eibläschen in Zusammenhang. In einer Untergruppe von Mädchen, die ausschließlich früh exponiert waren, waren zudem die Werte des Hormons AMH (Anti-Müller-Hormon), das als Marker für die Eizellreserve gilt, niedriger.
Die Auswertungen deuteten zudem auf einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang hin, also eine stärkere Ausprägung bei stärkerer Paracetamol-Verwendung.
Die Frauen hatten den Forschern zufolge vergleichsweise geringe Mengen Paracetamol eingenommen, keine überschritt die empfohlene Tageshöchstdosis von 4.000 Milligramm. Am häufigsten wurden Kopf- oder Migräneschmerzen als Grund für die Einnahme genannt, gefolgt von anderen Schmerzen vor allem des Bewegungsapparats.
Was ist Paracetamol und wie wirkt es?
Paracetamol zählt zu den sogenannten nicht opioiden Analgetika, also zu den Schmerzmitteln ohne opioide Wirkstoffe. Wie genau Paracetamol wirkt, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Forscher vermuten eine Wirkung auf die sogenannten Cyclooxygenasen (COX). Diese Enzyme spielen eine Rolle bei der Bildung von Botenstoffen (Prostaglandinen), die Schmerzen auslösen. Paracetamol hemmt vor allem die Bildung dieser Stoffe im Gehirn, in anderen Regionen des Körpers werden diese Botenstoffe nur schwach gehemmt. Überdies hemmt Paracetamol bestimmte Botenstoffe im Temperaturregulationszentrum im Gehirn, weshalb es fiebersenkend wirkt.
Weitere Daten weisen auf längerfristige Veränderungen hin
Die Forscher werteten außerdem Daten einer separaten Gruppe von 1.210 Mädchen aus, die von der Säuglingszeit bis in die Jugend begleitet wurden. Dort war eine Paracetamol-Nutzung durch die Mutter während der Schwangerschaft mit einer kleineren Gebärmutter der Töchter in der Pubertät und einem kleineren Eierstockvolumen in der Adoleszenz, der Übergangsphase von der Kindheit zum Erwachsenenalter, verbunden. Die Autoren sehen darin einen Hinweis darauf, dass die beobachteten Unterschiede über die frühe Kindheit hinaus fortbestehen könnten.














