Besonderes Aufsehen erregte jüngst ihr Engagement jenseits des Vorstandsbüros. Palla absolvierte berufsbegleitend die Ausbildung zur Triebfahrzeugführerin – als einzige im Bahnvorstand. Sie dürfte damit die erste Chefin der Deutschen Bahn AG sein, die selbst Züge steuern kann – über ihre Vorgänger ist diesbezüglich nichts bekannt.
Damit reiht sich die Managerin in eine Berufsgruppe ein, die für das Funktionieren des Konzerns zentral ist. Fast 20.000 Lokführerinnen und Lokführer steuern bundesweit die Züge der Deutschen Bahn. Jahrelang hatte sich die Lokführergewerkschaft GDL darüber beschwert, dass der Bahnvorstand keine Ahnung habe, was an der Basis – im Führerstand – geleistet werde. Das dürfte nun passé sein.
Der Erwerb des Lokführerscheins, den sie neben ihrer regulären Tätigkeit im Bahnvorstand machte, war für sie mehr als ein symbolischer Akt. „Ich wollte wissen, wie es sich anfühlt, im Führerstand zu sitzen. Und auch verstehen, was unsere Mitarbeitenden täglich leisten und was unser Geschäft ausmacht“, sagte sie der „Schwäbischen Zeitung“ im Herbst vergangenen Jahres.
Palla gibt zu: „Die Prüfung ist wirklich hart, muss es aber auch sein. Als Lokführerin hat man schließlich Verantwortung für die Fahrgäste.“
Nun soll sie den Gesamtkonzern verantworten – und das inmitten einer schweren Krise. Im August waren nur knapp 60 Prozent der Fernverkehrszüge pünktlich unterwegs, die Infrastruktur ist marode und gilt als Hauptgrund für die schlechte betriebliche Leistung. Auch die wirtschaftlichen Zahlen sehen seit Jahren nicht gut aus, auch wenn zuletzt eine leichte Verbesserung zu erkennen war.
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Zur Bewältigung der Herausforderungen soll Palla eine neue Strategie des Bundes an die Hand bekommen, über die bislang wenig bekannt ist. Der Titel gibt aber schon einen Hinweis, wo der Fokus liegen wird: „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene.“ Die Bahn müsse „pünktlich, sicher und sauber sein“, sagte Verkehrsminister Schnieder zuletzt. Zudem müsse der Konzern „schneller, schlanker, schlagkräftiger und auch wirtschaftlicher“ werden. Derzeit sei die Lage „dramatisch“.
Die Entwicklung der Infrastruktur und des Bahnbetriebs hängt stark vom Wohlwollen im Regierungsviertel ab – und vom Geld, das die Politik bereitstellt. Die Rückendeckung des zuständigen Ministers sollte Palla nun haben. Doch reicht das, um die Bahn wieder nach vorne zu bringen?
