September 8, 2026 3:27 p.m. CEST

Massives Datensammeln

Bericht: LG-Fernseher zeichnen Gespräche auf


08.09.2026 – 14:23 UhrLesedauer: 2 Min.

LG Evo G5: Laut Sicherheitsforschern hört das Gerät mit, was im Haushalt passiert. (Quelle: OLED Evo G5)

Smart-TVs von LG sollen selbst im Ruhezustand über das eingebaute Mikrofon mithören, was im Haushalt besprochen wird. LG bestreitet die Vorwürfe. Alle Details.

Sicherheitsforscher werfen LG vor, dass dessen smarte Fernseher die Gespräche ihrer Besitzer im Wohnzimmer aufzeichnen – auch wenn der Bildschirm ausgeschaltet ist. Fehlt die Internetverbindung, sollen die Geräte die Audiodaten lokal speichern und übertragen, sobald die Fernseher wieder online sind.

Hinter der Untersuchung steckt das US-amerikanische Portal Gamers Nexus, das mit IT-Experten mehrere LG-OLED-Fernseher untersuchten, darunter den LG G5. Nach eigenen Angaben steckten mehr als 500 Arbeitsstunden und Kosten von über 70.000 US-Dollar in dem Projekt.

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Die Forscher stellten fest, dass die LG-Geräte das lokale Netzwerk systematisch nach verbundenen Geräten durchsuchen. Im Test erkannte ein Fernseher mindestens 38 Geräte – darunter Smartphones, Smartwatches, Drucker und Teile der Gebäudetechnik.

Bei einem Computer registrierte das Gerät sogar, dass darauf die Fernwartungssoftware TeamViewer lief. Zusätzlich erfassten die Fernseher benachbarte WLAN-Netze, deren Daten sich zur Standortbestimmung nutzen lassen.

Spracheingaben im Klartext

Besonders kritisch bewerten die Forscher den Umgang mit Audiodaten. Das eingebaute Mikrofon soll auch dann aktiv sein, wenn der Bildschirm dunkel ist. In Tests tauchten Spracheingaben als Klartext in Logdateien auf, darunter wohl auch Gesprächsfetzen, die nach einem Sprachbefehl aufgezeichnet wurden, ohne dass der Nutzer das Gerät erneut angesprochen hatte. Unter günstigen Bedingungen soll das Mikrofon Sprache noch aus bis zu 21 Metern Entfernung erfasst haben.

Neben dem Mikrofon setzt LG auf sogenannte Automatic Content Recognition (ACR). Die Technologie erstellt einen digitalen Fingerabdruck der gerade gezeigten Inhalte. Und das unabhängig davon, ob diese über eine App des Fernsehers oder per HDMI zugespielt werden.

LG Ad Solutions, die Werbetochter des Konzerns, beschreibt ACR auf der eigenen Webseite als Werkzeug zur Auswertung des Sehverhaltens. Nach eigenen Angaben hat LG Ad Solutions Zugriff auf Daten von mehr als 363 Millionen Geräten allein in den USA.

LG-TVs dauerhaft vom Netzwerk trennen

Die Forscher fanden zudem Sicherheitslücken im Betriebssystem WebOS, über die Angreifer aus der Ferne Code ausführen und auf Mikrofone zugreifen könnten. Details wurden nicht veröffentlicht, da LG die Lücken noch nicht geschlossen habe. Die Sicherheitsexperten empfehlen, LG-Fernseher dauerhaft vom Netzwerk zu trennen und Streaming über externe Geräte abzuwickeln.

LG weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen erklärte, die Fernseher sammelten keine Umgebungsgespräche. Die Spracherkennung sei eine optionale Funktion und verarbeite Daten ausschließlich bei aktiver Nutzung.

ACR ist im Smart-TV-Markt weitverbreitet und wird auch von anderen Herstellern für Werbe- und Analysezwecke eingesetzt. Gamers Nexus kündigte an, künftig auch Geräte anderer Hersteller zu untersuchen – genannt wurden Samsung und das US-Unternehmen Vizio. Ob deren Systeme vergleichbare Schwachstellen aufweisen, lässt sich ohne separate Untersuchung nicht sagen.

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