„Voyager 1“
Nasa-Raumsonde kämpft ums Überleben und steht vor einem Rekord
04.11.2026 – 12:28 UhrLesedauer: 3 Min.
Mitte November wird „Voyager 1“ weiter von der Erde entfernt sein als je ein von Menschen gebautes Objekt. Doch die fast 50 Jahre alte Sonde steckt mitten in einer technischen Krise.
Am 18. November 2026 soll es passieren: Dann wird die Raumsonde „Voyager 1“ einen Lichttag von der Erde entfernt sein, was rund 25,9 Milliarden Kilometern entspricht. Das teilt die US-Weltraumbehörde Nasa auf ihrer Webseite mit. Kein von Menschen gebautes Objekt hat je eine größere Distanz zur Erde erreicht.
Die Nasa hat den Termin auf die Minute genau berechnet: Um 5.16 Uhr US-Ostküstenzeit soll die Raumsonde exakt 25.902.068.356 Kilometer von der Erde entfernt sein. Das ist die Strecke, die Licht in 24 Stunden zurücklegt. Ein Timer auf der Nasa-Seite zählt die Stunden und Minuten herunter.
Wenn diese Entfernung erreicht ist, benötigt ein Funksignal einen vollen Tag – also 24 Stunden –, um zur Sonde zu gelangen, und einen weiteren Tag für den Rückweg. „Voyager“-Projektmanagerin Suzanne Dodd vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa: „Wenn man ‚Voyager‘ ‚Hallo‘ sagen möchte, schickt man seine Nachricht ab, geht nach Hause und wartet zwei Tage, bis man endlich eine Antwort bekommt.“
„Voyager 1“ hat technische Probleme
Kurz vor diesem Rekord der Sonde gab es allerdings einen technischen Rückschlag. Mitte Oktober blieb „Voyager 1“ bei zwei geplanten Kontaktversuchen stumm. Erst nach 48 Stunden empfing die Nasa wieder ein Signal.

Was genau den Ausfall ausgelöst hatte, ist noch nicht vollständig geklärt. Die Nasa hat festgestellt, dass eine Gruppe von Steuerdüsen ausfiel, woraufhin die Bordcomputer automatisch auf eine Reserve umschalteten. Die Steuerdüsen sind dafür zuständig, die Antenne der Sonde auf die Erde ausgerichtet zu halten. Ob dieser Wechsel auch den Funkkontakt unterbrach, untersucht die Nasa noch.
Der Kontaktverlust ist nicht das einzige Problem. „Voyager 1“ startete am 5. September 1977 auf Cape Canaveral (Florida) mit drei sogenannten Radioisotopengeneratoren. Diese wandeln die Wärme aus dem radioaktiven Zerfall von Plutonium-238 in elektrischen Strom um. Beim Start lieferten sie zusammen rund 470 Watt. Seitdem verlieren die Generatoren jedes Jahr etwa 4 Watt an Leistung.
Geräte werden Stück für Stück abgeschaltet
Für das Missionsteam wird die Verteilung des verbleibenden Stroms immer schwieriger. Neben den wissenschaftlichen Messgeräten benötigen auch Bordcomputer, Funktechnik, Steuerung und Heizungen Energie. Manche Bauteile müssen warm genug bleiben, damit etwa Treibstoffleitungen nicht einfrieren.
Im September 2026 gelang der Nasa ein wichtiger Schritt. Nach monatelanger Vorbereitung schalteten die Ingenieure drei Geräte gleichzeitig ab und ersetzten sie durch drei Alternativen mit geringerem Stromverbrauch.
Die Maßnahme trägt intern den Namen „Big Bang“. Die Herausforderung bestand darin, den Energieverbrauch zu senken, ohne die Wärmeverteilung an Bord zu stören. Die Nasa hatte das Verfahren zuvor bereits bei der Schwestersonde „Voyager 2“ erprobt.













