Ein Jahr nach der Zulassung
So vielen Menschen konnten die Alzheimer-Mittel wirklich helfen
04.11.2026 – 14:37 UhrLesedauer: 4 Min.
Seit gut einem Jahr können sich Patienten in Deutschland mit den Alzheimer-Medikamenten Lecanemab und Donanemab behandeln lassen. Was hat sich seitdem getan?
Nach neuesten Berechnungen leben in Deutschland derzeit rund 1,78 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, die meisten von ihnen mit Alzheimer. Bis 2050 könnte die Zahl der Menschen mit Demenz auf bis zu 2,6 Millionen ansteigen.
Die Antikörper Lecanemab und Donanemab galten als Hoffnungsträger gegen Alzheimer. Sie sollen nicht nur Symptome lindern, sondern direkt gegen die Ursachen von Alzheimer wirken. Seit gut einem Jahr werden die Medikamente in Deutschland eingesetzt. Ein Demenz-Experte zieht eine erste Bilanz aus der Praxis.
Wie viele Menschen in Deutschland wurden behandelt?
Offizielle Zahlen zum Einsatz der Medikamente gibt es nach Angaben des Kölner Neurologen Özgür Onur nicht. Er geht von einer Zahl im vierstelligen Bereich aus. „Ich würde schätzen, dass zwischen 1.000 und 2.000 Menschen behandelt wurden“, so Onur, der Demenz-Experte der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ist.
Lecanemab (Handelsname Leqembi) ist hierzulande seit September 2025 erhältlich, Donanemab (Handelsname Kisunla) seit November 2025. „Es gibt eine konstant hohe Nachfrage nach den Medikamenten“, sagt Onur.
Expertengremium sieht keinen Zusatznutzen – was bedeutet das?
Nach Ansicht des Gemeinsamen Bundesausschusses von Ärzten, Krankenkassen und Kliniken (G-BA) haben beide Medikamente keinen belegten Zusatznutzen im Vergleich zu älteren Behandlungsansätzen. Das heißt, dass sie nach den berücksichtigten Daten mit Blick etwa auf Symptome oder Lebensqualität nicht besser wirken als die schon länger verfügbaren Mittel.
Donanemab und Lecanemab können dennoch weiter verordnet werden, langfristig ist das jedoch fraglich: Der G-BA-Beschluss hat großen Einfluss auf die Verhandlungen über den Preis, den gesetzliche Krankenkassen zu zahlen bereit sind – und damit darauf, ob der Hersteller es überhaupt auf dem deutschen Markt lässt.
Bei keinem Zusatznutzen darf der Preis eines neuen Medikaments nicht allzu stark von dem der schon länger verfügbaren Mittel abweichen, was den Donanemab- und Lecanemab-Herstellern schwerlich gefallen dürfte. Denn: Ihre Mittel sind um ein Vielfaches teurer als die bisherigen symptomatischen Medikamente.
Nach Angaben eines Sprechers des GKV-Spitzenverbands, der die gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungen in Deutschland vertritt, laufen die Verhandlungen derzeit noch. Onur rechnet mit einem Ergebnis Anfang des nächsten Jahres.
Für wen kommen die Medikamente überhaupt infrage?
In Deutschland sind die Mittel für Alzheimer-Patienten im frühen Stadium, also mit leichter kognitiver Störung sowie mit leichter Demenz, zugelassen. Lecanemab und Donanemab dürfen dabei in der EU nur bei Patienten verwendet werden, die nur eine oder keine Kopie des Gens ApoE4 haben. Bei ihnen ist die Wahrscheinlichkeit für bestimmte schwerwiegende Nebenwirkungen – Schwellungen und Blutungen im Gehirn – geringer als bei Menschen mit zwei ApoE4-Kopien.
In Deutschland befinden sich Schätzungen zufolge etwa 250.000 Menschen in der beschriebenen Frühphase. Nur ein kleiner Bruchteil von ihnen kommt aber für eine Behandlung überhaupt infrage.
Welche Erkenntnisse gibt es nach etwa einem Jahr Behandlung?
Es sei noch zu früh, um die Wirksamkeit gesichert einschätzen zu können, meint Onur. Nach erstem Eindruck scheine es so, dass noch verhältnismäßig wenig von Symptomen betroffene Patienten, die in einem sehr frühen Stadium mit der Therapie beginnen, profitieren können. Natürlich müsse man das aber erst noch weiter beobachten.














