August 28, 2026 5:23 p.m. CEST

Einfluss auf die Psyche

Depressive Beschwerden – durch zu niedrigen Blutdruck?


Aktualisiert am 28.08.2026 – 15:29 UhrLesedauer: 3 Min.

Wer an niedrigem Blutdruck leidet, hat manchmal auch psychische Beschwerden. (Quelle: Rawpixel/getty-images-bilder)

Niedriger Blutdruck kann unangenehm sein und sich spürbar auf das Befinden auswirken. Welchen Einfluss hat er auf die Psyche – und umgekehrt?

Niedriger Blutdruck ist kein rein körperliches Problem, sondern kann auch zu einer psychischen Belastung werden. Die Betroffenen verspüren unter anderem Schwindel, Benommenheit und Müdigkeit und haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.

Auch haben Studien gezeigt, dass niedriger Blutdruck und depressive Beschwerden bei älteren Menschen häufiger gemeinsam vorkommen. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass der niedrige Blutdruck die Stimmung direkt verursacht.

Denkbar ist auch, dass sich die Beschwerden gegenseitig beeinflussen oder durch eine gemeinsame Ursache entstehen. Etwa können Schwindel, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme den Alltag erschweren und dadurch die Stimmung belasten. Umgekehrt können psychische Erkrankungen, Medikamente oder andere körperliche Erkrankungen den Blutdruck und das Befinden beeinflussen. Die bisherigen Untersuchungen belegen daher nur einen Zusammenhang. Was Ursache ist und was Wirkung, lässt sich aus ihnen nicht sicher schlussfolgern.

Was zu niedriger Blutdruck für das Gehirn bedeutet

Wie alle Organe und Gewebe des Körpers benötigt das Gehirn Nährstoffe und Sauerstoff, um zu funktionieren. Beides erhält es normalerweise aus dem frischen Blut, welches das Herz durch die Arterien in den gesamten Körper pumpt.

Damit das Blut alle Organe – auch das Gehirn – ausreichend erreicht, muss der Druck in den Arterien ausreichend hoch sein. Wie hoch er genau sein muss, lässt sich jedoch nicht pauschal sagen. Das hängt unter anderem von der individuellen Situation, dem Ausgangsblutdruck und der Fähigkeit des Kreislaufs ab, den Blutdruck zu regulieren.

Das Gehirn kann seine Durchblutung bis zu einem gewissen Grad selbst anpassen. Fällt der Blutdruck jedoch deutlich ab – zum Beispiel beim Aufstehen –, reicht diese Anpassung manchmal nicht aus. Dann kann das Gehirn vorübergehend weniger Blut bekommen. Schwindel, Benommenheit oder sogar eine Ohnmacht können die Folge sein.

Niedriger Blutdruck als Ursache für Erkrankungen der Psyche?

Vor allem bei älteren Menschen wurden Zusammenhänge zwischen niedrigem Blutdruck beziehungsweise orthostatischer Hypotonie und depressiven Symptomen beobachtet. Von orthostatischer Hypotonie sprechen Fachleute, wenn der Blutdruck beim Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen deutlich abfällt. Das kann vorübergehend Schwindel, Benommenheit oder Schwäche auslösen und unangenehm sein. Bei manchen Betroffenen trübt sich darüber hinaus das Gemüt, sie fühlen sich niedergeschlagen. Ob der niedrige Blutdruck selbst die psychischen Beschwerden verursacht, ist aber nicht geklärt.

Deshalb lässt sich auch nicht sicher davon ausgehen, dass depressive Beschwerden verschwinden, sobald sich der Blutdruck normalisiert. Wenn jemand wegen eines niedrigen Blutdrucks behandelt wird und die Behandlung zwar den Blutdruck verbessert, aber Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder andere seelische Beschwerden anhalten, kann das enttäuschend und belastend sein.

Dann ist es sinnvoll, sich Unterstützung zu holen und die möglichen Ursachen abklären zu lassen. Helfen kann die Hausärztin oder der Hausarzt beziehungsweise eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut.

Unklar ist, welche Bedeutung niedriger Blutdruck auf längere Sicht für die psychische und kognitive Gesundheit hat. Bislang gibt es zu dieser Frage keine gesicherten Erkenntnisse, sondern nur Hinweise. So legen Studien nahe, dass die orthostatische Hypotonie möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für Altersdepressionen und Demenz einhergeht. Ob der niedrige Blutdruck diese Krankheiten verursacht, und wenn ja, auf welchem Wege, können die Untersuchungen jedoch nicht beantworten.

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