September 29, 2026 1:36 p.m. CEST

„Ich habe alle Videos selbst gemacht“

Heimliche Wiesn-Aufnahmen: Konkrete Spuren liegen vor


29.09.2026 – 10:38 UhrLesedauer: 2 Min.

Das „Teufelsrad“ auf dem Münchner Oktoberfest: Zehntausende mutmaßlich illegele Videos tauchten im Internet auf. (Quelle: IMAGO/STL Studio Liebhart/imago)

Wer fotografiert Frauen auf dem Oktoberfest heimlich unter den Rock? Und wer stellt diese Aufnahme ins Internet? Journalisten präsentieren nun erste Antworten.

Zum Start der 191. Ausgabe des Münchner Oktoberfests hatten Berichte über Zehntausende mutmaßlich illegale und heimlich gefilmte Videos von Besucherinnen des Fahrgeschäfts „Teufelsrad“ Schlagzeilen gemacht: Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte enthüllt, dass es bei Facebook, TikTok und YouTube zahlreiche Accounts gibt, die gezielt Videos verbreiten, in denen Frauen heimlich unter den Rock gefilmt wird, auch Upskirting genannt. Wer die tatsächlichen Betreiber der Accounts sind, konnte jedoch nicht nachvollzogen werden.

Journalisten des Bayerischen Rundfunks (BR) ist es jetzt nach eigenen Angaben gelungen, einige der Accountinhaber ausfindig zu machen – teilweise kommen sie aus Bayern und geben an, viel Geld mit den Videos zu verdienen.

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So ermittelten die Journalisten eine Frau aus Oberbayern, die einen YouTube-Kanal mit 160.000 Abonnenten betreiben soll. Im Sommer 2024 habe sie öffentlich auf der Plattform X geschrieben: „Ich habe alle Videos selbst gemacht. Ich war jeden Tag auf dem Oktoberfest und habe über 600 Videos in 18 Tagen gemacht.“

Oktoberfest: Videos werden zum Kauf angeboten

Die Frau habe die Videos auf einer eigenen Webseite zum Verkauf angeboten. Über Nacht habe sie so 9.000 Euro mit einem einzigen Video verdient, habe die Frau behauptet. Insgesamt zählten die Journalisten auf der Verkaufswebseite über 500 Videos. Auf Anfrage des BR reagierte die Frau nicht, anschließend verschwanden die „Teufelsrad“-Videos aus dem Internet. Zwei mutmaßlich von der Frau betriebene Accounts seien gelöscht worden.

Den Recherchen zufolge sollen auch YouTube-Profis aus dem Ausland wie der Ukraine auf den Trend aufmerksam geworden sein. Eine Gruppe habe eine ganze Community mit Tausenden Mitgliedern aufgebaut. Irgendwann sei die Gruppe selbst nach München gefahren. In einem Video hätten sie von ihrem Ausflug erzählt: „Wir haben quasi den ganzen Tag gefilmt“. Erst nach Stunden seien sie von Mitarbeitern des Fahrgeschäfts aufgefordert worden, zu gehen.

Wiesn-Videos verschwinden nach Medienanfrage

Nach einer BR-Anfrage teilten die YouTuber über eine Anwaltskanzlei mit, die entsprechenden Inhalte inzwischen von ihren Kanälen gelöscht zu haben. Ein Fehlverhalten werde damit jedoch nicht eingeräumt.

Bereits vor Beginn der Wiesn hatte Oktoberfest-Chef Christian Scharpf das sogenannte Upskirting im Interview mit dem Portal „web.de“ verurteilt: „Die Neigung von manchen Zeitgenossen, Frauen mit dem Handy unter die Röcke zu filmen und das dann auf Social Media zu posten, geht gar nicht, das ist eine Sauerei“, sagte der SPD-Politiker. Als Gegenmaßnahme sei bereits im vergangenen Jahr die Ausgabe kostenloser Radlerhosen angeboten worden.

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