Mordfall Fabian
Widersprüche, die Gina H. gefährlich werden können
09.09.2026 – 14:31 UhrLesedauer: 5 Min.

Die Angeklagte im Mordfall Fabian stellt sich am 27. Prozesstag erstmals den Fragen von Gericht und Staatsanwaltschaft. Für sie ist das eine Chance, aber auch ein großes Risiko.
Bislang hatte sie jegliche Befragung abgelehnt. Auch nach ihrer mehrstündigen Aussage vor zwei Wochen wollte Gina H. sich nicht vom Gericht befragen lassen. Dann entschied sich die Angeklagte im Mordfall Fabian plötzlich um. Am Donnerstag, dem 10. September (ab 9.30 Uhr, t-online berichtet im Liveticker), will sie nun auf die Fragen des Gerichts und der Staatsanwaltschaft antworten. Dieser Prozesstag könnte für Gina H. folgenreich werden. Er könnte mit darüber entscheiden, ob sie den Gerichtssaal am Ende als verurteilte Mörderin oder als freie Frau verlässt.
Der 30-Jährigen wird vorgeworfen, den achtjährigen Fabian aus Güstrow (Landkreis Rostock) am 10. Oktober 2025 mit sechs Messerstichen getötet zu haben. Gina H. ist die Partnerin von Fabians Vater, der sich zwei Monate vor der Tat von ihr getrennt hatte. Gina H., so die Staatsanwaltschaft, habe Fabian getötet, um wieder mit Fabians Vater zusammenzukommen. Inzwischen sind beide tatsächlich wieder ein Paar. Für Gina H. gilt die Unschuldsvermutung.
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Ihre Einlassung vor zwei Wochen hatte sich über Stunden hingezogen. Auf 95 Seiten verlas sie eine persönliche Erklärung – mit Akribie von ihren Verteidigern verfasst und vorbereitet. Jedes Wort war wohlüberlegt. Gina H. wies die Vorwürfe scharf zurück, mehr noch: Sie beschuldigte zwei zentrale Zeugen indirekt, etwas mit der Tat zu tun zu haben.
Am Donnerstag sind die Voraussetzungen andere: Gina H. muss spontan auf Fragen antworten, kann sich nur begrenzt vorbereiten und darf sich nicht in Widersprüche verstricken. Einer ihrer Anwälte, Thomas Löcker, hatte Anfang September zu t-online gesagt, der Donnerstag werde „ihr schwierigster Tag“. Sie habe „viel zu verlieren“. Drei Widersprüche dürften besonders im Fokus der Befragung stehen:
Was Gina H. am Todestag von Fabian machte
Laut Staatsanwaltschaft soll Gina H. den Jungen am 10. Oktober 2025 um kurz vor 11 Uhr mit ihrem orangefarbenen Ford Ranger von zu Hause abgeholt haben – eine Kamera filmte den auffälligen Wagen in Fabians Straße in Güstrow. Sie soll dann mit Fabian zu einem Waldstück gefahren sein, rund 1,6 Kilometer Luftlinie vom späteren Tatort entfernt. Von dort schickte sie ein Foto an einen Bekannten, auf dem sie mit ihrem Hund zu sehen ist. Um 11.22 Uhr deaktivierte Gina H. ihr Smartphone. Anschließend soll sie zu dem Tümpel gefahren sein und Fabian erstochen haben. Laut Anklageschrift starb der Achtjährige zwischen 10.50 Uhr und 13 Uhr.














