In ganz Europa
Hackerangriff auf Kühlschränke: Hunderte Märkte betroffen
03.11.2026 – 15:44 UhrLesedauer: 3 Min.
Hacker haben Kühlanlagen in Supermärkten lahmgelegt. Hunderte Märkte in ganz Europa sind betroffen. Auch in Deutschland gibt es mehrere Fälle.
Wer genau dahintersteckt, ist unklar. Fest steht bisher nur, dass es in den vergangenen Tagen zu einem europaweiten Cyberangriff gekommen ist, der die Lebensmittelversorgung stören sollte. Am Wochenende und Montag wurden Kühlanlagen in Hunderten Supermärkten in mindestens elf Ländern gehackt und ferngesteuert. Dabei haben die Angreifer die Temperaturen der Kühlregale auf bis zu plus 50 Grad hochgeheizt und die Lebensmittel damit ungenießbar gemacht.
Die EU-Kommission reagiert besorgt, am Nachmittag wurde ein Krisentreffen einberufen. Auch in Deutschland ist es ersten Erkenntnissen zufolge zu mehreren Angriffen gekommen. Das gesamte Ausmaß ist noch unbekannt, die Zahl der Fälle stieg im Verlauf des Tages noch an.
Mehrere Supermärkte in Deutschland betroffen
Bekannt sind bisher Angriffe in Märkten von Edeka und Rewe sowie in einigen Einzelmärkten:
In Reisbach in Niederbayern bestätigte ein Edeka-Markt einen Angriff auf seiner Facebook-Seite. Auf Anfrage von t-online bestätigte Edeka einen „IT-Vorfall im Zusammenhang mit einer Kühlanlage“. Eine Edeka-Sprecherin sagte, dass man von „wenigen Einzelfällen“ ausgehe und sich „noch in der Prüfung“ befinde. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.
Auch im niedersächsischen Lilienthal kam es zu einem mutmaßlichen Angriff. Wie der „Weser Kurier“ zuerst berichtete, mussten die Inhaber der Edeka-Filiale Lebensmittel im Wert von 34.000 Euro entsorgen. Auch dort waren die Kühlschränke auf plus 30 Grad erwärmt worden. Wie schon in den anderen Fällen wurde die Polizei informiert.
Möglich ist, dass es weitere Fälle gibt, die Edeka bislang nicht identifiziert hat. Als genossenschaftlicher Verbund mit 3.200 selbstständigen Kaufleuten und sechs regionalen Großhandlungen sei es laut der Sprecherin schwierig, sich schnell einen Überblick zu verschaffen. Es gebe auch keine einheitlichen Kühlsysteme in allen Edeka-Märkten. „Diese unterscheiden sich regional und lokal“, so die Sprecherin.
Der Supermarktbetreiber in Niederbayern kritisierte auf Facebook die Lebensmittelverschwendung, die der Cyberangriff zur Folge hatte: „Foodsharing hat kurzfristig alles abgeholt, was noch irgendwie zu retten war.“ Der Großteil der Kühlware habe aber entsorgt werden müssen. Am Dienstag sollen die Regale wieder mit frischer Ware befüllt sein, hieß es weiter.
Ein Rewe-Markt im Münsterland wurde ebenfalls angegriffen. Das teilte der Betreiber des Marktes in Raesfeld dem Portal „heimatreport.de“ mit. Ob weitere Rewe-Märkte betroffen waren, war nicht bekannt. Eine Anfrage von t-online ließ die Supermarktkette unbeantwortet.
Discounter und andere Märkte
Auch zwei Märkte der Kette CAP in Nordrhein-Westfalen meldeten Vorfälle. Betroffen waren Supermärkte in Wuppertal und in einem Ortsteil von Wetter (Ruhr): „Leider hat ein externer Zugriff am Wochenende dazu geführt, dass unsere Tiefkühl- und Kühlanlagen heute Vormittag zu warm waren“, teilte der Wuppertaler Markt auf Facebook mit.
Auf Anfrage von t-online wollte sich der Discounter Aldi Süd nicht zu den Vorfällen äußern und verwies stattdessen auf den Handelsverband HDE. Auch dieser ließ eine Anfrage der Redaktion zunächst unbeantwortet.
Europaweiter Angriff auf Kühlschränke
Insgesamt sind Medienberichten zufolge europaweit Hunderte Märkte von den Angriffen betroffen. Neben Schweden, Belgien, Estland, Finnland und Luxemburg gaben am Montag auch Italien, Irland, die Niederlande und Portugal Attacken bekannt, im Rahmen derer die Kühlfunktionen ausgeschaltet wurden und die Temperaturen in der Folge anstiegen. Allein in Belgien waren 15 Märkte betroffen, in Schweden sind sechs Fälle bekannt und in Luxemburg bisher vier. In Italien war neben vier Supermärkten auch ein Restaurantunternehmen betroffen.














