September 25, 2026 7:13 p.m. CEST

Krankenkasse verzeichnet mehr Betrugsversuche

Organisierte Kriminalität entdeckt das Gesundheitswesen


25.09.2026 – 17:30 UhrLesedauer: 3 Min.

Schild der DAK Gesundheit: Die Krankenkasse verzeichnet mehr Betrugsversuche. (Quelle: IMAGO/Henricus Lüschen)

Die Krankenkassen verlieren jedes Jahr Millionen Euro durch Betrüger. Neben Einzeltätern sind immer häufiger professionelle Täter involviert.

Bei der Krankenkasse DAK-Gesundheit sind 2024 und 2025 rund 2.300 neue Verdachtsfälle von Abrechnungsbetrug erfasst worden. Das waren 30 Prozent mehr als im vorherigen Berichtszeitraum, wie die Kasse am Freitag in Hamburg mitteilte. Insgesamt verfolgte sie knapp 4.900 Bestands- und Neufälle, was 20 Prozent mehr als in den Vorjahren waren. Der entstandene Schaden lag demnach bei 15,6 Millionen Euro.

Am stärksten betroffen war demnach mit fünfeinhalb Millionen Euro der Leistungsbereich Arznei- und Verbandmittel. Grund waren vor allem gefälschte Rezepte für hochpreisige Krebsmedikamente und Abnehmspritzen. Allein von April 2024 bis November 2025 habe die DAK rund tausend Rezeptfälschungen mit einem Schaden von etwa 1,1 Millionen Euro registriert.

Pflege steht im Fokus

Fast jeder zweite Betrugsfall war dem Leistungsbereich Pflege zuzuordnen. Der Schaden belief sich auf 3,6 Millionen Euro. Davon entfielen mehr als zwei Millionen Euro auf den Bereich der häuslichen Krankenpflege, rund eine Million auf die außerklinische Intensivpflege und mehr als 600.000 Euro auf die Pflegeversicherung.

Am drittstärksten war der Leistungsbereich Fahrtkosten von Abrechnungsbetrug betroffen. Die Schadenshöhe liege hier bei 1,8 Millionen Euro, hieß es weiter. Im Bereich Hilfsmittel belief sich der Schaden auf 1,6 Millionen Euro und im Bereich Heilmittel auf 800.000 Euro. Rund 23 Prozent der abgeschlossenen Verdachtsfälle konnten demnach nachgewiesen werden.

Der Gesamtschaden hatte im vorangegangenen Berichtszeitraum mit 17,6 Millionen Euro noch höher gelegen. Zu dem insgesamt hohen Schadensniveau hätten erneut einige wenige Großfälle mit Millionenschäden beigetragen, hieß es. Rund 5,9 Millionen Euro habe die DAK im vergangenen Berichtszeitraum sichern können.

Organisierte Kriminalität entdeckt Gesundheitswesen

Gingen in der Vergangenheit viele Betrugsfälle auf Einzeltäter zurück, registriert die Krankenkasse mittlerweile immer häufiger professionelle Täter. „Eine wachsende Rolle spielt dabei Organisierte Kriminalität“, sagt Jürgen Schneider, Leiter der Stabsstelle Revision und Fehlverhaltensbekämpfung bei der DAK-Gesundheit.

Das Gesundheitswesen gerät dabei bewusst ins Blickfeld Krimineller, da hier hohe Geldströme auf komplexe Kontrollmechanismen treffen. „Dieser Trend verschärft die Problemlage erheblich“, heißt es im Bericht. Ermittlungen werden aufwendiger, Schäden größer und die Aufklärung langwieriger.

Rezeptfälschung: So gehen die Kriminellen vor

Wie die Kriminellen vorgehen, illustriert die Krankenkasse am Beispiel gefälschter Rezepte. Bereits in der Vergangenheit waren die Kassen immer wieder Wellen von Rezeptfälschungen ausgesetzt. Standen in der Vergangenheit häufig Schmerzmittel wie Tilidin oder Fentanyl im Fokus, reichten Kriminelle zuletzt gehäuft gefälschte Rezepte für Abnehmpräparate wie Ozempic, Wegovy oder Trulicity ein.

Aktie.
Die mobile Version verlassen