September 8, 2026 2:10 p.m. CEST

Merz ernennt neuen Beauftragten

Dieser Banker soll Investoren Deutschland schmackhaft machen


Aktualisiert am 22.09.2025 – 16:47 UhrLesedauer: 4 Min.

Martin Blessing: Der persönliche Beauftragte des Bundeskanzlers für Investitionen in Deutschland bei seiner Vorstellung am Montag. (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)

Um den Standort Deutschland zu stärken, engagiert der Kanzler einen Banker. Martin Blessing soll internationalen Kapitalgebern Deutschland schmackhaft machen.

Der frühere Commerzbank-Chef Martin Blessing ist von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zum persönlichen Beauftragten für Investitionen ernannt worden. Wie Merz am Montag im Kanzleramt erklärte, soll Blessing in- und ausländische Unternehmen dazu bringen, stärker in Deutschland zu investieren. „Der Investitionsbeauftragte wird Türen öffnen, Vertrauen in unseren Standort schaffen und Investitionen nach Deutschland holen“, sagte Merz. Blessing soll als zentraler Ansprechpartner für Investoren fungieren und dabei „die Sichtbarkeit Deutschlands im globalen Standortwettbewerb erhöhen“.

Zugleich ist die Berufung Teil einer größeren Umstrukturierung: Blessing soll auch den Aufsichtsratsvorsitz der bundeseigenen Standortmarketinggesellschaft Germany Trade and Invest (GTAI) übernehmen. Die GTAI soll im Zuge dessen neu aufgestellt werden, wie Merz betonte. Die Abstimmung mit Wirtschafts- und Finanzministerium sei erfolgt.

Blessing wird seine neue Aufgabe ohne eigenen Mitarbeiterstab und ohne reguläres Gehalt übernehmen. Er werde als sogenannter „Ein-Euro-Mann“ arbeiten, heißt es aus dem Kanzleramt. Symbolisch betrage sein Verdienst einen Euro. Auslagen sollen ihm jedoch erstattet werden.

Der 62-jährige Banker erklärte bei seiner Vorstellung, er wolle mit potenziellen Investoren ins Gespräch kommen, deren Anliegen im Kanzleramt platzieren und eine „große Investorenkonferenz“ in Deutschland organisieren. Als Vorbild gilt das Format „Choose France“, das der französische Präsident Emmanuel Macron seit Jahren erfolgreich umsetzt. Die erste Veranstaltung soll im Frühjahr 2026 stattfinden.

„Deutschland braucht Wachstum, und Wachstum braucht Investitionen“, sagte Blessing. Dabei gehe es ihm vor allem um die Frage: „Wie können wir insbesondere ausländischen Investoren helfen, hier am Standort Deutschland zu investieren?“

Hintergrund der Initiative ist eine deutliche Schwäche bei privaten Investitionen. Seit 2021 haben sich die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland mehr als halbiert. Gleichzeitig klagen Unternehmen über hohe Energiepreise, teure Lohnkosten und langwierige Genehmigungsverfahren. Merz sagte, Investoren hätten „Vorbehalte gegen ein Engagement in Deutschland“. Blessing solle diese Rückmeldungen ins Kanzleramt tragen und „konkrete Vorschläge unterbreiten für den Rückbau der Bürokratie, für mehr Tempo“.

Blessing selbst räumte ein, dass es „eine gewisse Wachstumsschwäche und eine gewisse Investitionsschwäche“ gebe. Dennoch betonte er, Deutschland biete viele Standortvorteile, etwa gut ausgebildete Arbeitskräfte, politische Stabilität und die Rolle als größte Volkswirtschaft Europas.

Er verwies zudem auf ein wachsendes Interesse internationaler Investoren angesichts der neuen Sondervermögen für Verteidigung und Infrastruktur. „Es gibt eine Menge von staatlichem Kapital“, sagte Blessing. „Das macht den Standort Deutschland attraktiv.“

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