Risikoszenario oder Panikmache?
Ein Appell spaltet die Klimawelt
Aktualisiert am 27.09.2025 – 06:45 UhrLesedauer: 4 Min.

„Wir müssen mit einer Welt denken, in der wir 2050 die 3-Grad-Grenze überschreiten“: Mit diesem Appell erregen Wissenschaftler Aufsehen. Andere Experten halten das für überzogen.
Drei Grad globale Erwärmung – und das bereits bis zum Jahr 2050. Vor diesem Szenario warnen die Deutsche Meteorologische Gesellschaft (DMG) und die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) in einem gemeinsamen Appell an die Politik. Es sei eine Entwicklung, die als eine drohende Möglichkeit ernst genommen werden müsse, erklärte Frank Böttcher, Vorsitzender der DMG, auf dem Extremwetterkongress in Hamburg. „Wir müssen jetzt mit einer Welt denken und planen, in der wir 2050 bereits die 3-Grad-Grenze überschreiten“, erklärte er.
Klaus Richter, Präsident der DPG, erklärte im Interview mit t-online: „Der Temperaturanstieg scheint sich zu beschleunigen – global, aber auch in Deutschland.“ Dies habe zur Folge, dass das Erreichen einer weltweiten Temperatursteigerung um 3 Grad bereits bis zum Jahr 2050 möglich sei. „Wir sprechen hier nicht von einer exakten Prognose“, betont der Physiker. „Was wir sehen, ist ein Entwicklungstrend. Nach aktuellen Studien erscheint eine globale Erwärmung von zwei bis drei Grad bis 2050 möglich. Drei Grad können nicht ausgeschlossen werden“, so Richter.
Es gehe nicht darum, zu sagen: „So wird es sein.“ Sondern: „Dieses Risiko besteht.“ Und dieses Risiko wachse, weil die weltpolitische Lage den Klimaschutz zunehmend in den Hintergrund dränge. „Manche Staaten, allen voran die USA, konterkarieren Klimaschutzmaßnahmen sogar aktiv“, erklärt Richter. „Deshalb warnen wir: Zwei bis drei Grad bis 2050 sind nicht ausgeschlossen. Aber sie sind kein Schicksal – wir haben die Zukunft unseres Klimas in unseren Händen.“
Auf dem Extremwetterkongress, zu dem sich in der vergangenen Woche Klimaforscher aus der gesamten Bundesrepublik versammelt hatten, löste der Appell von DMG und DPG allerdings Kopfschütteln aus. Es sei eine alarmistische Botschaft, die in der aktuellen Situation nicht hilfreich sei, so der Standpunkt der Kritiker. Auf Widerspruch stieß vor allem die Angabe zum Tempo der Erderwärmung. Zumal im Vorfeld eine Fassung des Appells an die Öffentlichkeit gelangt war, in der das Erreichen der 3-Grad-Marke bis 2050 als wahrscheinlich genannt wurde und von einem Worst-Case-Szenario die Rede war.
Tobias Fuchs, Leiter der Klima- und Umweltberatung beim Deutschen Wetterdienst (DWD), betonte im Gespräch mit t-online: „Wir gehen von einer Überschreitung von 1,5 Grad globalem Temperaturanstieg gegenüber dem frühindustriellen Niveau in der nächsten Dekade aus.“ Von drei Grad im Jahr 2050 wollte er hingegen nicht sprechen. Der Klimaaufruf von DMG und DPG habe viele gute Elemente. „Ein Diskussionspapier sollte sich jedoch bei Zahlenangaben nicht an Worst-Case-Szenarien aus einzelnen Modellen für 2050 aufhängen. Diese sind zu wenig belastbar und daher für externe Kommunikation nicht geeignet.“














