Schneller müde, krank und dick?
Wie der Herbst im Körper wirkt
Aktualisiert am 20.09.2026 – 09:09 UhrLesedauer: 4 Min.
Mit Herbstbeginn ändern sich Licht, Temperatur und damit auch der Alltag. Aber: Wird man dadurch wirklich schneller müde, krank und nimmt sogar zu?
Mit dem kalendarischen Herbstanfang werden die Tage deutlich kürzer. Das veränderte Licht und sinkende Temperaturen beeinflussen auch unseren Alltag. Fünf Behauptungen über typische Herbstbeschwerden – und was dahintersteckt.
Behauptung: Die frühe Dunkelheit macht müde
Frühe Dunkelheit kann müde machen. Dabei kommt es nicht allein darauf an, wann die Sonne untergeht, sondern auch darauf, wie viel Tageslicht wir insgesamt abbekommen. Denn Licht gibt der inneren Uhr wichtige Orientierung und beeinflusst damit unseren Schlaf-Wach-Rhythmus.
Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt vor allem von Zeitpunkt, Dauer und Intensität des Lichts ab. Eine Studie mit schwedischen Büroangestellten zeigte, dass sich im Laufe des Jahres mit der aufgenommenen Tageslichtmenge auch der tägliche Rhythmus der Hormone Melatonin und Cortisol veränderte. Melatonin ist an der Regulation des Schlafs beteiligt, während das Stresshormon Cortisol einem ausgeprägten Tagesrhythmus folgt und unter anderem rund um das Aufwachen eine Rolle spielt.
Die Ergebnisse aus Schweden lassen sich zwar nicht direkt auf das weiter südlich gelegene Deutschland übertragen. Sie zeigen aber, welche Rolle Licht für den Tagesrhythmus spielt: Bei weniger Tageslicht kann die Müdigkeit früher einsetzen. Helles künstliches Licht am Abend kann die innere Uhr dagegen nach hinten verschieben und das Einschlafen erschweren.
Behauptung: Im Winter nehmen wir zu
Im Winter steigt das Gewicht vieler Menschen im Durchschnitt leicht, so eine Studie. In der US-Untersuchung an 195 Erwachsenen nahm das Gewicht zwischen Thanksgiving Ende November und dem Jahreswechsel im Schnitt um 0,37 Kilogramm zu. Im weiteren Winter lag es durchschnittlich sogar 0,48 Kilogramm über dem Wert vom frühen Herbst.
Dies sei deutlich weniger als die häufig genannten zwei bis drei Kilogramm, schrieb das Team im „New England Journal of Medicine“. Allerdings handelte es sich um Durchschnittswerte: Viele Menschen nahmen in der Studie zu, manche aber ab.

Auch Gewichtsdaten aus sieben Ländern, darunter Deutschland, zeigen einer Studie zufolge jahreszeitliche Schwankungen. Die niedrigsten Werte wurden im Sommer, die höchsten tendenziell in den kälteren Monaten gemessen.
Eine weitere Studie über mehr als 20 Jahre zeigte bei den Teilnehmern das höchste Gewicht im Winter und das niedrigste im Sommer. Diese Daten belegen jedoch nicht, dass die Jahreszeit selbst die Ursache ist. Wahrscheinlicher sei ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, schreibt das Team im „European Journal of Clinical Nutrition“: Im Winter bewegen sich viele Menschen weniger, essen möglicherweise energiereicher, feiern häufiger und verbringen mehr Zeit in Innenräumen. Winterspeck ist daher möglich – aber kein unvermeidbarer biologischer Vorgang.
Behauptung: Der Winterblues kann sich im Spätwinter verstärken
Wenn die Tage kürzer werden, kann bei manchen Menschen ab Herbst ein Winterblues beginnen. Eine Studie mit Menschen, die an einer Winterdepression litten, zeigte: Die Beschwerden nahmen ab September zu und erreichten im Januar und Februar ihren Höhepunkt. Veränderungen bei Schlaf, Appetit und Energie traten dabei häufig früher auf als die Stimmungsschwankungen.













