Neuer Ärger um den Weltverband
Wie die Fifa die Fans hinters Licht führt
20.08.2026 – 12:27 UhrLesedauer: 3 Min.
Wochen nach der WM gibt es neue Kritik an der Fifa, im Fokus steht dabei ein technisches Hilfsmittel. Ein Experte wird deutlich.
Knapp einen Monat ist es mittlerweile schon her, dass sich Spanien im WM-Finale mit 1:0 nach Verlängerung gegen Argentinien durchgesetzt und damit den zweiten Stern gesichert hat. Um die Fifa, Organisator des interkontinentalen Wettbewerbs, wurde es nach dem Ende des XXL-Turniers aber keineswegs ruhig. Wegen des Wirbels um Gianni Infantino steht der Weltverband weiterhin im Fokus. Nun erfährt die Fifa auch aufgrund der halbautomatischen Abseitserkennung, die sie zur WM eingesetzt hat, Kritik.
Weltraumwissenschaftler Tobias Weber, der sich seit längerer Zeit mit Tücken der Technik zur Erkennung von Abseitspositionen beschäftigt, verwies im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“ auf Ungenauigkeiten des Systems: „Dem Zuschauer werden hochpräzise, zentimetergenaue Visualisierungen präsentiert, obwohl diesen zwangsläufig Modellannahmen, Rekonstruktionen und Messunsicherheiten zugrunde liegen. Diese Unsicherheiten werden weder kommuniziert noch visualisiert.“
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Die schnelle Erkennung von Abseitspositionen mitsamt grafischer Aufarbeitung für TV-Zuschauer und Fans im Stadion hatte die Fifa vor dem Turnier als eine von mehreren „technologischen Innovationen“ angepriesen. Dass diese aber keinesfalls fehlerfrei ist, wurde im Laufe der Weltmeisterschaft an mehreren Stellen sichtbar.
Umstrittene Szene im WM-Finale
Beim Gruppenspiel zwischen der Schweiz und Katar „verhinderte ein kurzer technischer Ausfall die Generierung der Onside-Animationsgrafik“, wie die Fifa nach der Partie eingestand. Und das direkt vor einem Elfmeter für die „Eidgenossen“. Auch das Endspiel lieferte eine umstrittene Szene: Ferran Torres, der kurz zuvor das 1:0 für die Spanier erzielt hatte, war nach einem Steckpass in der 113. Minute frei durch und schob zum vermeintlichen 2:0 ein. Dann aber ging die Fahne des Linienrichters hoch, der Videoassistent (VAR) bestätigte die Entscheidung. Die grafische Auflösung erfolgte aber erst knapp vier Minuten später. Und sie wirft Fragen auf.

Der französische Datenanalyst Pierre Sallet, der mit seiner Firma Goodgame auf mögliche Manipulation oder sonstige Auffälligkeiten im Fußball spezialisiert ist, zweifelt an der Korrektheit der Entscheidung. „Das Problem rührt von einer vertikalen Verzerrung. Diese variiert je nach Position innerhalb des Bildes, ähnlich der horizontalen Verzerrung, die im Gegensatz dazu jedoch vollkommen berücksichtigt wird“, erläuterte der Experte. Die von der Fifa präsentierte Abseitsanalyse erscheint ihm „aufgrund dieser vertikalen Verzerrung ungültig“.














