Hamburgs Promi-Drag Queen
Diese fünf Auftritte von Olivia Jones bleiben unvergessen
02.11.2026 – 13:21 UhrLesedauer: 4 Min.
Sie führte Rechtsextreme vor, wählte einen Bundespräsidenten und predigte im Fernsehen. Fünf besondere Momente aus dem Leben von Olivia Jones.
Mit ihren grellen Haaren, hohen High Heels und schrillen Kostümen fällt Olivia Jones überall auf. Doch die Hamburger Dragqueen nutzt ihre Bekanntheit längst nicht mehr nur zur Unterhaltung. Sie setzt sich gegen Rechtsextremismus ein, wirbt für Toleranz und mischt sich in politische Debatten ein.
Dabei hat sie einige Auftritte hingelegt, die weit über den Hamburger Kiez hinaus für Schlagzeilen sorgten. Fünf Momente aus ihrer Karriere sind besonders bemerkenswert.
Olivia Jones führt Rechtsextreme bei der NPD vor
Blonde Zöpfe, graue Strickjacke, Kniestrümpfe: So taucht Olivia Jones 2007 bei einer NPD-Wahlkampfveranstaltung in Hannover auf. Für das NDR-Satiremagazin „extra 3“ spielt sie eine Reporterin, deren Aufmachung an den Bund Deutscher Mädel aus der NS-Zeit erinnert.
Mit gespielter Naivität und provokanten Fragen bringt sie die Rechtsextremen in Verlegenheit. „Hallihallo, hier ist ja ’ne Mörderstimmung!“, ruft sie bei ihrem Besuch. Einen der anwesenden Männer spricht sie als „Mein kleines braunes Häschen“ an. Und konstatiert angesichts der vielen Männer bei der Veranstaltung: „Nicht, dass das hier noch ein Schwulenverein ist!“

Der Auftritt verbreitet sich millionenfach im Internet. „Das erfordert schon eine ganze Menge Mut“, urteilte sie selbst Jahre später in einem Interview mit „Watson“.
Die „Süddeutsche Zeitung“ widmet der Aktion im Mai 2010 einen eigenen Artikel, die „taz“ berichtet ein Jahr später von fast zwei Millionen Videoaufrufen. Es ist einer jener Momente, in denen Olivia Jones ihre Kunstfigur gezielt für politische Satire einsetzt.
Eine Dragqueen spricht das „Wort zum Sonntag“
Am 14. Mai 2016 steht Olivia Jones plötzlich dort, wo normalerweise Geistliche sprechen: beim „Wort zum Sonntag“ in der ARD. Gemeinsam mit der evangelischen Pastorin Annette Behnken spricht sie unmittelbar vor dem Eurovision Song Contest über Toleranz und gesellschaftliche Akzeptanz. Rund fünf Millionen Zuschauer verfolgen die Sendung. „Ich glaube, unsere Gesellschaft ist schon sehr weit, sonst hätte keine Conchita Wurst den ESC gewonnen, und sonst würde ich heute hier nicht stehen“, zitiert die „Bild“ Olivia Jones.
Dass sie einmal in einer Kirchensendung auftreten würde, hätte Jones selbst kaum für möglich gehalten. In einem Interview mit dem „Luxemburger Wort“ im April 2026 bezeichnet sie den Fernsehauftritt rückblickend als einen besonderen Moment, weil sie damit „quasi den kirchlich-konservativen Segen erhalten“ hab.
Drei Jahre nach der Sendung erzählt sie der „Bild“-Zeitung außerdem von einem neuen Ziel: einer Audienz beim Papst. Mit ihm würde sie gern darüber sprechen, warum sich die katholische Kirche mit der Ehe für alle und der Gleichberechtigung von Frauen so schwertue.















