IHK-Konjunkturbericht
Warum die Wirtschaft weiter nicht in Schwung kommt
12.10.2026 – 16:54 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Iran-Krieg hat die Stimmung in der Wirtschaft erschüttert – doch der befürchtete ganz schlimme Einbruch ist ausgeblieben. Trotzdem bleibt die Lage weit vom Aufschwung entfernt.
Die Wirtschaft in der Region Düsseldorf und am Mittleren Niederrhein kommt nicht in Fahrt. Das zeigt die aktuelle Herbst-Konjunkturumfrage der IHKs Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein, an der sich rund 700 Unternehmen mit zusammen etwa 48.000 Beschäftigten beteiligt haben.
Der Konjunkturklimaindex liegt bei 88,3 Punkten und damit zwar über dem Schockwert vom Frühsommer, aber deutlich unter dem langjährigen Mittel von 103,8 Punkten. Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, beschreibt die Lage so: „Die Unternehmen warten weiterhin auf bessere Bedingungen. Hohe Kosten, zu viel Bürokratie und fehlende Planungssicherheit verhindern, dass aus ersten Stabilisierungssignalen ein Aufschwung wird.“ Die Politik müsse jetzt die strukturellen Bremsen lösen und Unternehmen wieder Luft für Investitionen geben.
In der Frühsommerumfrage, sechs Wochen nach Ausbruch des Iran-Krieges, waren die Geschäftserwartungen auf minus 21,9 Punkte eingebrochen. Inzwischen liegt der Indikator bei minus zwölf Punkten. Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, wertet das als Zeichen dafür, dass sich die wirtschaftliche Lage bislang nicht so stark verschlechtert habe wie damals befürchtet. Die Geschäftslage rangiert weiterhin etwa auf dem Niveau der vorangegangenen Umfrage.
Energiepreise als zentrales Geschäftsrisiko
60,4 Prozent der befragten Unternehmen nennen die Energiepreise als zentrales Geschäftsrisiko. Das sind deutlich mehr als die 42,6 Prozent im Herbst 2025. Bei energieintensiven Betrieben liegt der Anteil sogar bei 76,1 Prozent. Als Ursache gelten die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und die dadurch gestiegenen Beschaffungskosten. Höhere Energiepreise belasten nicht nur die Betriebe direkt, sondern schwächen auch die Kaufkraft der Verbraucher.
Daneben belasten Rohstoff- und Arbeitskosten die Unternehmen: 39 Prozent sehen die Rohstoffpreise als Risiko, 51,3 Prozent die Arbeitskosten. Steigende Sozialabgaben und der Fachkräftemangel treiben die Lohnkosten, während schwache Nachfrage und hoher Wettbewerbsdruck es erschweren, Mehrkosten weiterzugeben.
Berghausen fasst zusammen: „Wenn Energie, Arbeit und Abgaben teurer werden, während die Nachfrage schwach bleibt, geraten Unternehmen von zwei Seiten unter Druck. Deshalb brauchen wir keine neuen Belastungen, sondern wettbewerbsfähige Energiepreise, niedrigere Lohnnebenkosten und weniger Bürokratie.“
IHK fordert die Politik zum Handeln auf
Die beiden IHKs benennen drei Handlungsfelder, in denen sie politischen Handlungsbedarf sehen. Zum Thema Sozialabgaben sagt Berghausen: „Bei den sozialen Sicherungssystemen liegen die notwendigen Reformvorschläge längst auf dem Tisch – bei Pflege, Grundsicherung, Rente und Gesundheit. Jetzt geht es darum, Entscheidungen zu treffen und die Reformen umzusetzen.“ Ziel müsse es sein, den weiteren Anstieg der Arbeitskosten zu begrenzen. In der Industrie nennen inzwischen 53 Prozent der Betriebe die Arbeitskosten als wesentliche Belastung.
Beim Bürokratieabbau mahnt Steinmetz: „Ankündigungen für weniger Bürokratie hören wir regelmäßig. Bei den Unternehmen kommt davon bislang zu wenig an.“ Ob Entgelttransparenzgesetz oder EU-Verpackungsverordnung: Die Betriebe hätten vielfach den Eindruck, dass die Regulierungsdichte eher zunehme als abnehme.
Als dritten Schwerpunkt nennen die IHKs die Energiepreise. Berghausen fordert: „Unsere Unternehmen brauchen Energie, die wettbewerbsfähig, verlässlich und bezahlbar ist. Kurzfristig müssen deshalb die Energiesteuern auf das europäische Mindestmaß sinken. Mittel- und langfristig brauchen wir ein ausreichendes Energieangebot.“ In der Industrie nennen inzwischen 69 Prozent der Betriebe die Energiepreise als wesentliche Belastung – der höchste Wert seit Jahresbeginn 2023.














