August 4, 2026 5:35 p.m. CEST

Recherchen mehrerer Medien zeigen im Vorfeld dieser Wahlen eine deutlich verstärkte Desinformationskampagne, insbesondere gegen Politikerinnen und Politiker von CDU, SPD, Grünen, FDP und Linken. Experten ordnen die Beiträge der mutmaßlichen russischen Einflusskampagne „Matrjoschka“ zu. Mit gefälschten Videos auf der Plattform X soll beispielsweise die Glaubwürdigkeit der Kandidaten erschüttert werden. Viele Beiträge sind mit gefälschten Logos bekannter deutscher Medienhäuser versehen – ein Mittel, um Glaubwürdigkeit vorzutäuschen.

Lauterbach teilte Russland-Theorie nach CSD-Anschlag

Auch im Fall des CSD-Anschlags spricht Holnburger von Desinformation. Über Accounts, die Russland nahestehen, wurden nach dem Anschlag in den sozialen Medien KI-generierte, gefälschte Informationskacheln der „Tagesschau“ verbreitet. Darin wurde behauptet, Russland stecke hinter dem Anschlag. Auf dieser Grundlage wird dann behauptet, Russland werde immer verdächtigt, und deutsche Behörden würden sich damit aus der Verantwortung ziehen wollen.

Josef Holnburger ist Gründer und Geschäftsführer von CeMAS.

Josef Holnburger

Der Political Data Scientist ist seit 2021 Geschäftsführer beim Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) und beschäftigt sich mit der systematischen Erhebung und der Analyse von Daten auf zahlreichen digitalen Plattformen. Seit Jahren forscht er intensiv zur Verbreitung von Verschwörungserzählungen, Desinformation, Antisemitismus und Rechtsextremismus.

„Man will hier verwässern, dass es tatsächliche Angriffe Russlands gab und gibt, indem man die Reputation von Medien angreift und unterstellt, dass diese Russland grundsätzlich unter Generalverdacht stellen würden“, erklärt Holnburger.

„Sie sind nicht auszuschließen, aber noch nicht bekannt“

Aber nicht nur russlandfreundliche Accounts teilten die Theorie. Auch der SPD-Politiker Karl Lauterbach erklärte auf X: „Es ist in der Tat sehr auffällig, dass es unmittelbar vor Wahlen mehr Anschläge gibt.“ Er reagierte damit auf einen Interviewausschnitt von SPD-Innenpolitiker Sebastian Fiedler, der ebenfalls von einer „heftigen Auffälligkeit“ sprach.

Dass Russland insbesondere vor Wahlen den Informationsraum mit Desinformationskampagnen angreift, sei zuletzt auch vor der Bundestagswahl 2025 und vor den Wahlen in Moldau und Ungarn beobachtet worden. Mehr zur damaligen Desinformation lesen Sie hier.

„Russland arbeitet aktiv daran, die Stimmung in westlichen Demokratien aufzuheizen – auch mit dem Ziel, die Gewalt gegen Minderheiten und auch die Gewalt von radikalisierten Personen anzustacheln“, so Holnburger.

Er betont aber auch: „Eine direkte Beauftragung eines Anschlags vor Wahlen konnte mit den bisher bekannten Informationen aber noch nicht beobachtet werden – sie sind nicht auszuschließen, aber noch nicht bekannt.“

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