Hirsch statt Löwe
Wie die Eintracht die Trikotwerbung im deutschen Fußball erfand
04.08.2026 – 16:16 UhrLesedauer: 2 Min.
Finanziell sah es in den 1970er-Jahren bei Eintracht Braunschweig klamm aus. Also musste sich der Verein etwas überlegen.
Hirsch statt Löwe: 1973 prangte plötzlich ein anderes Tier vor der Brust der Eintracht. Die Mannschaft lief am 24. März als erster Bundesligist mit Werbung auf seinem Trikot auf. Und machte damit den Weg frei für das Trikotsponsoring.
Doch ganz so einfach war das zunächst nicht. Eintrachts damaliger Präsident Ernst Fricke und der damalige Jägermeister-Chef Günter Mast wollten Jägermeister-Werbung auf die Leibchen bringen. Mast hatte der Eintracht dafür eine Zahlung von insgesamt 500.000 DM bei einer Laufzeit von fünf Jahren versprochen. Für den damals finanzschwachen Verein eine große Hilfe.
Eintracht Braunschweig bedient sich eines Tricks
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) allerdings untersagte bezahlte Trikotwerbung strikt. Deshalb wurden Eintracht und Jägermeister erfinderisch: Durch eine Änderung der Vereinssatzung wurde kurzerhand der von dem Kräuterlikör bekannte Hubertus-Hirschkopf als offizielles Vereinswappen deklariert. Denn gegen Vereinswappen auf dem Trikot hatte der DFB grundsätzlich nichts auszusetzen.
Der Hirschkopf passte dem Fußball-Bund allerdings trotzdem nicht. Es wurde weiterhin über seine Zulässigkeit gestritten. Und Jägermeister freute sich über die mediale Aufmerksamkeit.
DFB gibt im Herbst 1973 Trikotsponsoring frei
Schließlich gab der DFB nach und die Eintracht lief am 24. März 1973 im Spiel gegen Schalke 04 erstmals mit Hirsch statt Löwen auf dem Trikot auf. Allerdings nicht ohne genaue Kontrolle: Die Schiedsrichter prüften vor dem Spiel mit einem Maßband, ob der vorgegebene Durchmesser von 14 Zentimetern von dem neuen Wappentier eingehalten wird. Außerdem schauten sie, ob das Wappen den geforderten Zusatz E und B für Eintracht Braunschweig trägt.
Im Oktober 1973 gab der DFB die Trikotwerbung schließlich offiziell frei. Der „aus der Not heraus“ entstandene Wappenwechsel hat „die Werbung im deutschen Sport revolutioniert“, resümierte der Verein im Jahr 2023. Florian Carl Eisenblätter von Jägermeister erklärte damals, das Trikotsponsoring habe einen großen Anteil daran gehabt, Jägermeister „von einer Kräuterlikörspezialität zum bekanntesten Premium-Kräuterlikör überhaupt weiterzuentwickeln“.
