Hoffnung für Millionen
Forscher erzielen „Meilenstein“ in der Alzheimer-Behandlung
Aktualisiert am 26.08.2026 – 10:55 UhrLesedauer: 3 Min.

Ein einfacher Bluttest könnte die Abklärung von Alzheimer deutlich erleichtern. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den Test nun zur einfacheren Vermarktung freigegeben.
Für die Diagnose von Alzheimer greifen Ärzte neben kognitiven Tests bislang vor allem auf Untersuchungen des Nervenwassers (Liquor) zurück. Bei der sogenannten Lumbalpunktion wird eine Nadel im Bereich der Lendenwirbelsäule in den Wirbelkanal eingeführt. Ein neuer Bluttest könnte die Suche nach Hinweisen auf die Erkrankung für bestimmte Patienten deutlich erleichtern.
Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat den Bluttest PrecivityAD2 nun für die einfachere Vermarktung zugelassen. Das teilte die Washington University School of Medicine (WashU Medicine) mit, die grundlegend an der Entwicklung beteiligt war.
Bluttest sucht nach typischen Alzheimer-Veränderungen
PrecivityAD2 soll Ärzten dabei helfen, charakteristische Ablagerungen im Gehirn mittels sogenannten Biomarkern im Blut nachzuweisen. Die Eiweißablagerungen (Plaques) stehen stark mit Alzheimer in Verbindung.
Für die Analyse reicht eine einfache Blutentnahme. Anschließend misst ein Labor mit hochauflösenden Instrumenten – sogenannten Massenspektrometern – verschiedene Eiweißbestandteile sehr genau. Dazu gehören zwei Formen von Amyloid (Aβ42 und Aβ40) sowie zwei Tau-Protein-Marker (p-tau217 und Gesamt-tau217). Aus deren Verhältnis gewinnt der Test Hinweise auf die für Alzheimer typischen Veränderungen im Gehirn.
Gut zu wissen
Ein Blut- oder Nervenwassertest allein ist keine Alzheimer-Diagnose. Ärzte müssen das Ergebnis immer zusammen mit der Krankengeschichte und weiteren diagnostischen Informationen beurteilen.
FDA-Zulassung soll Diagnose vereinfachen
Frühere Studien zeigten laut den Wissenschaftlern der WashU Medicine bereits, dass PrecivityAD2 diese Veränderungen mit einer Genauigkeit von mehr als 90 Prozent erkennt. Demnach erreicht der Bluttest eine vergleichbare Leistung wie Untersuchungen der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit sowie bildgebende Untersuchungen des Gehirns – auch bei Menschen mit milden geistigen Einschränkungen.
Randall J. Bateman, Professor für Neurologie an der WashU Medicine schreibt nun in einer Pressemeldung, der Test könne zu mehr früheren und präziseren Diagnosen führen, wodurch Patieten früher behandelt werden können. Dies sei wichtig, denn die bisher verfügbaren Medikamente (Antikörpertherapie), die das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen können, wirken laut den Wissenschaftlern besser, wenn sie früh zum Einsatz kommen. David Holtzman, Mitbegründer von C2N Diagnostics, dem an der Forschung beteiligten Start-up der WashU Medicine, schreibt: „Die FDA-Zulassung des Bluttests PrecivityAD2 ist ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg, die Diagnose und Behandlung der Alzheimer-Krankheit zu revolutionieren.“
Ein weiterer Vorteil: Die neue FDA-Zulassung ermögliche eine breitere Vermarktung des Tests an Mediziner und Gesundheitssysteme, so die Forscher. Zudem könne die Zulassung die Kostenübernahme durch Versicherungen erleichtern, wodurch der Test erschwinglicher und leichter zugänglich werde.
Ein wichtiger Fortschritt – mit Einschränkungen
Auch Özgür Onur, Demenz-Experte der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), bewertet leistungsfähige Blutbiomarker wie PrecivityAD2 als „wichtigen Fortschritt in der Alzheimer-Diagnostik“. Allerdings dürften Ärzte die Ergebnisse nicht isoliert betrachten – die Untersuchung der geistigen Leistungsfähigkeit, die Krankengeschichte und die Bildgebung seien weiterhin relevant. Denn Faktoren wie etwa Nieren- oder Muskelerkrankungen und höheres Alter würden die Aussagekraft von Blutbiomarkern beeinflussen, so Onur.
