Sicherheit hinter dem Hauptbahnhof
Weniger Gewalt – doch es gibt noch viel zu tun
Aktualisiert am 09.10.2026 – 16:03 UhrLesedauer: 2 Min.

Am Nürnberger Hauptbahnhof reduzieren Polizeipräsenz und Verbotszonen die Gewalt. Trotzdem konnte sich dort ein Missbrauchsnetzwerk entwickeln.
Seitdem die Polizei hoch zu Ross hinter dem Hauptbahnhof patrouilliert, gebe es dort weniger Gewalt. Das sagt der Polizeipräsident Gernot Rochholz bei einer Pressekonferenz. Er und Oberbürgermeister Marcus König hatten die Medien auf den Nelson-Mandela-Platz geladen.
Für die ersten neun Monate dieses Jahres meldet die Polizei nun mehr als halbierte Zahlen bei Körperverletzungen und Raubdelikten. Geholfen haben sollen dabei die Waffen- und Messerverbotszone, die Cannabisverbotszone, die Kameras und die ständige Präsenz. So beschreibt es der Polizeipräsident bei der Pressekonferenz. In der Vergangenheit hatte sich hier nach Darstellung des Polizeipräsidiums eine offene Drogenhändlerszene entwickelt, zeitweise standen mehrere Dutzend Händler auf dem Platz. Sie sprachen teils sogar aktiv Passanten an.
Monatelang, direkt vor den Augen der Polizei
Allerdings ist genau auf diesem Platz, unter Kamera- und Streifenbeobachtung, ein kriminelles Netzwerk entstanden, das die Ermittler weiter beschäftigt. Drogenhändler sollen gezielt auf teils minderjährige Mädchen und junge Frauen zugegangen sein, erst mit Geschenken, dann mit Medikamenten und Drogen. So wurden sie abhängig gemacht. Anschließend sollen sie die Opfer sexuell ausgebeutet haben.
Inzwischen wurden Maßnahmen umgesetzt: Büsche am Rand wurden zurückgeschnitten, damit jeder Winkel einsehbar bleibt. Daneben wurde ein Container mit der Aufschrift „Polizei“ aufgestellt, in dem auch Beamte arbeiten. Über dem Platz hängt sichtbar eine Kamera.
Wie konnte es trotzdem passieren, dass hier so viele Mädchen und junge Frauen in die Falle gingen? „Die Straftaten selbst finden nicht in der Öffentlichkeit statt“, sagt Rochholz auf Nachfrage der Nürnberger Lokalredaktion von t-online. Auf dem Platz fänden die Anbahnungen statt: Gespräche, Drogenkäufe. Strafrechtlich relevant werde es erst danach: „Man geht dann mit in Wohnungen, und dort kommt es dann zu Straftaten, die im Regelfall unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.“ Dass die Fälle überhaupt auffielen, führt der Polizeipräsident auf die Maßnahmen selbst zurück.
Kommission „Kajal“ ermittelt
Seit Anfang des Jahres ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth in der Kommission „Kajal“. 39 Tatverdächtige sind nach Angaben des Polizeipräsidiums identifiziert, gegen 21 von ihnen wurden Haftbefehle vollstreckt. Es gilt die Unschuldsvermutung. Ob und wie viele weitere Festnahmen folgen, sei nicht absehbar.
„Das ist erschütternd“, sagt Oberbürgermeister König. „Hier gibt es für mich keinerlei Toleranz.“ Abgeschoben wurde nach Angaben der Stadt bislang eine Person.
