Oktober 10, 2026 4:47 a.m. CEST

Ruinen aufgetaucht

Als ein ganzes Dorf im Wasser versank

Aktualisiert am 10.10.2026 – 02:43 UhrLesedauer: 2 Min.

Überbleibsel von Alt-Schulenberg (Archivbild): Zu sehen sind die Ruinen nur bei extrem niedrigem Wasserstand der Okertalsperre. (Quelle: IMAGO/Zoonar.com/HelmutSpoonwood/imago)

Besondere Beobachtung im Harz: Der niedrige Pegel der Okertalsperre legt alte Grundmauern frei. Dahinter steckt die Geschichte eines Ortes, der weichen musste.

Die Okertalsperre hat in den vergangenen Tagen die Reste von Alt-Schulenberg freigegeben. Am Freitag (9. Oktober) um 5 Uhr lag ihr Füllstand nach Angaben des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz bei 17,25 Prozent. Das entsprach 8,088 Millionen Kubikmetern Wasser bei einem maximalen Speichervolumen von 46,9 Millionen Kubikmetern. Auf aktuellen Bildern des „NDR“ und von „RTL“ ist zu sehen, dass Interessierte durch die freigelegte Ortslage gehen konnten.

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Schulenberg war im 16. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem Bergbau entstanden. Der alte Ort bestand aus Ober-, Mittel- und Unterschulenberg. Die Okertalsperre sollte Hochwasser der Oker eindämmen: Nach der Schneeschmelze hatte der Fluss wiederholt schwere Überschwemmungen verursacht, die auch Braunschweig und Wolfenbüttel trafen.

Die Bewohner wussten lange von der geplanten Flutung

Die Vorgeschichte begann Jahrzehnte vor dem Einstau. 1912 wurde das Gebiet im Okertal vermessen. 1928 erhielt der Gemeindevorsteher laut „NDR“ ein amtliches Schreiben über das geplante Schicksal des Ortes. Von da an galt Baustopp: Die Bewohner durften ihre Häuser nicht mehr verändern. Bei einer späteren Entschädigung sollten nur die Werte berücksichtigt werden, die zum Zeitpunkt der Ankündigung bereits bestanden. 1938 rückten die ersten Arbeiter an.

Tiefstand in der Okertalsperre (Archivbild): Der alte Ort Schulenberg wieder aufgetaucht. (Quelle: dapd)

1954 zogen die Bewohner schließlich in das höher gelegene Neu-Schulenberg. Im Sommer des Jahres lebten dort nach „NDR“-Angaben noch fast 300 Menschen. Tausende begleiteten den Umzug. Das landeskirchliche Ortslexikon nennt als konkret aufgegebene Bereiche Unterschulenberg und einen Teil von Mittelschulenberg. Die Harzwasserwerke kauften die Häuser im Tal und ließen sie bis auf die Grundmauern abreißen. Im März 1956 wurde erstmals Wasser eingestaut, im Oktober nahm die Talsperre offiziell den Betrieb auf.

Bei Niedrigwasser treten die Grundmauern wieder hervor. Im Sommer 2026 war der Pegel so weit gesunken, dass Menschen durch die alte Ortslage laufen konnten. Dabei seien dem Vernehmen nach auch Überbleibsel wie Vasen und Thermoskannen sichtbar geworden. Das Wiederauftauchen ist nicht neu: Bei extrem niedrigen Wasserstand der Talsperre werden regelmäßig Fundamente, Mauerreste und asphaltierte Straßen freigelegt.

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