Barrierefrei reisen
Einsteigen mit Rollator oder Fahrrad: Was klappt – und was nicht
12.10.2025 – 12:19 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Bahn verspricht barrierefreie Mobilität für alle. Doch in der Praxis stoßen Rollatornutzer und Radfahrer beim Ein- und Ausstieg oft an Grenzen.
Bahnreisen sind für Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine attraktive Option – sofern die Infrastruktur stimmt. Doch trotz hoher Investitionen in die Barrierefreiheit gibt es oft Probleme: Zwischen Bahnsteigkante und Waggon klaffen Zwischenräume oder es gibt mehrere Stufen. Für Menschen mit Gehhilfe oder Pendler mit Fahrrad kann das eine unüberwindbare Hürde darstellen.
Damit Fahrgäste stufenlos ein- und aussteigen können, müssen Bahnsteige mindestens 55 Zentimeter hoch sein, sofern Züge mit der entsprechenden Einstiegshöhe an den Fahrzeugtüren eingesetzt werden. Das erleichtert Menschen im Rollstuhl, mit Gehhilfen sowie Familien mit Kinderwagen und Gepäck den Zugang. Auch Kleinwüchsige und Radfahrer profitieren davon.
Die gute Nachricht: Orthopädische Hilfsmittel wie Rollatoren werden in allen Zügen der Deutschen Bahn kostenlos befördert. Eine Reservierung ist nicht erforderlich. Die Mitnahme ist ein selbstverständlicher Service für mobilitätseingeschränkte Reisende.
Allerdings ist nicht jeder Zug gleich gut geeignet. Ältere Regionalzüge haben beispielsweise oft schmale Türen und Stufen im Einstiegsbereich. Moderne Züge verfügen dagegen über Mehrzweckbereiche mit ausreichend Platz zum Rangieren. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte vorab die Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) der Bahn kontaktieren. Diese organisiert bei Bedarf Einstiegshilfen durch geschultes Personal.
Da Fahrräder keine orthopädischen Hilfsmittel sind, werden sie nicht kostenfrei befördert. Im Fernverkehr ist eine kostenpflichtige Stellplatzreservierung zwingend erforderlich. Diese muss vor Fahrtantritt erworben werden und ist zusätzlich zum Ticketpreis zu zahlen. Im Regionalverkehr variieren die Regelungen je nach Verkehrsverbund.
Es gibt außerdem keine Garantie für die Mitnahme von Fahrrädern, insbesondere wenn der Zug sehr voll ist. Ob es im ICE-, IC- oder EC-Zug noch freie Stellplätze gibt, ist direkt am Fahrradsymbol erkennbar. Ist dieses rot, bedeutet das, dass keine Fahrradstellplätze mehr verfügbar sind.
Die Stufen am Waggoneingang stellen beim Einstieg häufig ein Problem dar. Das Fahrrad muss nämlich mehrere Stufen hochgetragen werden. Das wird bei E-Bikes, die oft über 20 Kilogramm wiegen, zur Kraftprobe. Besser geeignet sind moderne Züge mit ebenerdigen Mehrzweckbereichen, in die das Fahrrad problemlos hineingeschoben werden kann.
Pro-Tipp: Wenn du ein zusammenklappbares Fahrrad nutzt, kannst du es kostenfrei als Handgepäck mitnehmen. Du musst dafür keine Fahrradkarte kaufen oder einen Stellplatz reservieren.
Eine echte Verbesserung bringt der ab Mitte Dezember 2025 eingesetzte ICE L. Als erster ICE verfügt dieser Zugtyp über einen komplett stufenlosen Einstieg an allen Türen. Somit können Reisende den Waggon ohne fremde Hilfe passieren – ob mit Rollator, Rollstuhl, Kinderwagen oder Fahrrad.
Für Rollstuhlfahrer stehen drei Plätze mit elektrisch höhenverstellbaren Tischen bereit. Außerdem können acht Fahrräder transportiert werden. Allerdings verkehrt der ICE L zunächst nur auf der Strecke Berlin–Köln.














