August 30, 2026 12:35 a.m. CEST

Technik-Pionier feiert Jubiläum

Berlins „Langer Lulatsch“ wird 100 – und steht auf Porzellan


29.08.2026 – 20:39 UhrLesedauer: 2 Min.

Der Berliner Funkturm ragt in den Himmel: Das als „Langer Lulatsch“ bekannte Wahrzeichen wird am 3. September 100 Jahre alt. (Quelle: Funke Foto Services/imago-images-bilder)

Der Berliner Funkturm feiert seinen 100. Geburtstag. Der 600 Tonnen schwere Turm ruht auf einem Material, das man dort kaum vermuten würde.

Am 3. September wird der Berliner Funkturm 100 Jahre alt. 147 Meter ragt der „Lange Lulatsch“ über dem Messegelände im Westend auf. Rund 600 Tonnen bringt die Konstruktion auf die Waage.

Seine vier Füße stehen auf Porzellanisolatoren der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin (KPM). Nach Angaben des Unternehmens hält jeder Isolator einem Druck von 1.400 Tonnen stand. Das Porzellan hatte beim Bau des Funkturms eine technische Funktion.

Der Funkturm sollte selbst zur Antenne werden

Mitte der 1920er-Jahre sollte eine neue Antenne die Rundfunkversorgung Berlins verbessern. Der Funkturm wurde deshalb für den Sender Witzleben geplant. Seine Stahlkonstruktion sollte selbst als Mittelwellenantenne dienen.

Die Porzellanelemente trennten den Turm elektrisch vom Fundament. Sie verhinderten, dass die elektrische Energie unmittelbar in den Boden abgeleitet wurde. Restaurant und Aussichtsplattform kamen während der Planungen hinzu. Das Restaurant befindet sich in 55 Metern Höhe, die Plattform auf 126 Metern.

Vom Eiffelturm-Vorbild zum Fernseh-Pionier

Errichtet wurde der Funkturm zwischen 1924 und 1926 nach Plänen des Architekten Heinrich Straumer. Bei der Form orientierte er sich am Pariser Eiffelturm. Der Berliner Turm fällt allerdings deutlich kleiner, schlanker und geradliniger aus.

Am 3. September 1926 wurde er zur dritten Großen Deutschen Funkausstellung eröffnet. Ab 1929 liefen vom Funkturm versuchsweise Fernsehtestsendungen. Für 1932 verzeichnet das Landesdenkmalamt Berlin eine weltweit erste Fernsehsendung.

Im Zweiten Weltkrieg beschädigte eine Granate eine der Hauptstreben. Zeitweise stand der Funkturm dadurch nur noch auf drei Beinen. Nach umfangreichen Reparaturen wurde er 1951 wiedereröffnet.

Der Funkturm neben einer zerstörten Halle auf dem Messegelände: Die historische Aufnahme entstand 1947 oder 1948. (Quelle: United Archives/imago-images-bilder)

In 33 Sekunden über Berlin

Vor dem Jubiläum ließ die Messe Berlin den Funkturm modernisieren. Nach einer zehnmonatigen Renovierungspause ist die Aussichtsplattform seit März wieder zugänglich. Mehr zur Wiedereröffnung und den Aktionen im Jubiläumsjahr gibt es hier.

Der gläserne Aufzug fährt mit vier Metern pro Sekunde nach oben und erreicht die Plattform nach 33 Sekunden. Bei klarem Wetter reicht der Blick vom Teufelsberg bis zum Fernsehturm am Alexanderplatz.

Regulär ist die Plattform dienstags bis sonntags von 11 bis 21 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 12 Euro, der ermäßigte Eintritt kostet 10 Euro. Bei starkem Wind oder Eisglätte bleibt die Plattform geschlossen.

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