Aufsichtsrat berät heute
VW will Werke schließen – „fatales politisches Signal“
Aktualisiert am 09.07.2026 – 13:43 UhrLesedauer: 3 Min.
Volkswagen plant Medienberichten zufolge vier Werksschließungen in den nächsten Jahren. 100.000 Arbeitsplätze wären betroffen.
Europas größter Autohersteller Volkswagen will vier seiner deutschen Werke ab 2031 schließen. Das berichtet der „Spiegel“ mit Verweis auf Aufsichtsratskreise. Demnach sollen zuerst die beiden Werke in Zwickau und Emden geschlossen werden, 2032 folgt dann das Werk in Hannover. Das Audi-Werk in Neckarsulm würde den Plänen zufolge 2034 dichtmachen. In diesen vier Werken arbeiten 40.000 Menschen.
Doch das ist nicht alles: Bis 2030 will der Konzern dem Magazin zufolge weitere 50.000 Stellen streichen. Zuvor hatte das „Manager Magazin“ berichtet, dass VW weitere 100.000 Stellen abbauen will.
Bei zwei anderen Werken steht bereits faktisch fest, dass es nicht weitergeht. So läuft der letzte Auftrag im Werk Osnabrück Mitte 2027 aus und in der gläsernen Manufaktur in Dresden wurde die Produktion bereits eingestellt. Berichten zufolge hatte der chinesische Autobauer BYD Interesse an dem Werk bekundet, die VW-Führung dementierte dies jedoch.
Niedersachsen dementiert Bericht zur Umwidmung der VW-Werke
Die Sparpläne sollen am Donnerstag dem Aufsichtsrat vorgestellt werden. Diesem gehört auch das Land Niedersachsen an. Nach Angaben der „Wirtschaftswoche“ würde die Landesregierung einer Umwidmung der Werke nicht im Weg stehen. Es müsse nur sichergestellt werden, dass die Fabriken nicht ganz ohne Perspektive geschlossen würden. Gerade in Sachsen, wo das Werk in Zwickau auf der Streichliste steht, wäre dies angesichts der Stärke der AfD brandgefährlich.
Am Nachmittag dementierte die Landesregierung den Bericht jedoch. „Das ist kompletter Unsinn“, sagte ein Regierungssprecher in Hannover der Nachrichtenagentur Reuters auf Anfrage.
Das Land ist mit 20 Prozent an VW beteiligt, Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und dessen Stellvertreterin Julia Willie Hamburg sitzen dort im Aufsichtsrat. Zusammen mit den zehn Arbeitnehmervertretern sind sie in der Mehrheit – sogar deutlich, denn einer der eigentlich zehn Sitze der Kapitaleigner ist derzeit unbesetzt.
Dass die Vorschläge des Vorstands unverändert eine Mehrheit finden, gilt daher als nahezu ausgeschlossen. Zudem sind Kampfabstimmungen im VW-Kontrollorgan bisher die absolute Ausnahme. In aller Regel wird diskutiert, bis sich alle Seiten einig sind.
Özdemir meldet sich bei VW-Chef Blume
Auch wenn das Land Baden-Württemberg nicht im Aufsichtsrat sitzt, meldete sich am Donnerstag auch dort der Landeschef zu Wort. Der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) setzt sich für den Erhalt des Standorts von Audi in Neckarsulm mit seinen 15.000 Beschäftigten ein.
In einem der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart vorliegenden Brief an Volkswagen-Chef Oliver Blume heißt es: „Ein Rückzug von Audi aus Neckarsulm wäre ein fatales, politisches Signal. Es würde die Debatte über die Deindustrialisierung Deutschlands verschärfen.“
Ein dichtes Netz an Zulieferunternehmen sorge dafür, dass in der Region weitaus mehr Arbeitsplätze vom Werk abhängen. Dieser industrielle Kern drohe mit der kolportierten Nachricht einer möglichen Betriebsschließung irreversibel verloren zu gehen.
