Der Krieg mit dem Iran und die damit zusammenhängende Inflation hat die US-Zinsen angeheizt. Bald stehen die Midterm-Wahlen an und Investoren schauen auf die Solidität der USA.
Ein Indikator dafür, wie gut es einem Land geht, ist seine Währung. Im Vergleich zu Europa überrascht dabei fast die jüngste Entwicklung des US-Dollar. Denn Ende September sackte der Euro zum Dollar auf ein Jahrestief ab. Mit anderen Worten – der US-Dollar zeigt Stärke.
Ein weiterer Hinweis zum unterschwelligen Grummeln in einer Volkswirtschaft kommt vom Anleihemarkt. Der Zinsaufschlag, den Unternehmen mit mittlerer Bonität gegenüber erstklassigen Schuldnern zahlen müssen, ist weiterhin sehr niedrig. Lars Reichel vom elektronischen Handelssystem gettex erklärt: „Dieser sogenannte BBB-AAA-Spread zeigt, wie groß die Risikoprämie für Unternehmen mit schwächerer Bonität ist.“
Bleibt dieser Abstand niedrig, sehen Anleger offenbar kein deutlich erhöhtes Ausfall- oder Finanzierungsrisiko. Ein kräftiger Anstieg wäre dagegen ein Warnsignal: Banken und Investoren würden vorsichtiger und Unternehmen müssten für neue Kredite deutlich mehr bezahlen.

Zur Person
Daniel Saurenz ist Gründer von Feingold Research und bietet mit seinem Team seinen seit 2010 etablierten Börsenbrief an. Sein Fokus liegt auf Vermögensaufbau und aktivem Trading an der Börse. Den Börsenbrief finden Sie auf feingoldresearch.de und auf www.instagram.com/saurenz_finance
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Real bleibt alles in Ordnung
Auch die Realwirtschaft liefert bislang keine gegenteiligen Signale. Umfragen unter Kleinunternehmen zeigen eine relativ gute Kreditverfügbarkeit. Regionale Erhebungen der US-Notenbank Fed sowie Auftragserwartungen deuten auf anhaltende Investitionsbereitschaft hin. Solange die Finanzierungskanäle offen bleiben, muss eine höhere Fed Funds Rate nicht automatisch zu einem wirtschaftlichen Abschwung führen.
Damit kommt die zweite Hälfte der Gleichung ins Spiel: die Gewinne. „Denn selbst höhere Zinsen müssen Aktien nicht zwangsläufig belasten, wenn die Unternehmen gleichzeitig ihre Gewinne kräftig steigern“, so Experte Reichel. Und genau das ist seit Monaten der Fall.
Gewinnwachstum ist der entscheidende Puffer
Die Analystenschätzungen für die US-Unternehmen wurden im laufenden Quartal weiter nach oben angepasst. Auch die Unternehmen selbst geben überwiegend einen konstruktiven Ausblick. Andreas Lipkow vom Zertifikatehaus CMC Markets macht erläutert: „Für das dritte Quartal wird inzwischen ein Gewinnwachstum des S&P 500 von rund 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet.“
Zu Beginn des Quartals waren es noch gut 26 Prozent. Gleichzeitig werden für die Umsätze zweistellige Zuwächse erwartet. Kein Wunder, dass die Investmentbank Goldman Sachs beim S&P 500 zeitnah die Marke von 8.000 Punkten und mehr erwartet und andere Häuser es ähnlich sehen.
Die einzelne Zahl ist dabei weniger wichtig als die Richtung: Die Gewinnerwartungen steigen, obwohl die Zinsen höher sind. Das ist für die Börse der entscheidende Gegenpol. Die Kapitalkosten steigen zwar, gleichzeitig wächst aber auch die Ertragskraft der Unternehmen. Das Verhältnis zwischen beiden Größen ist deshalb wichtiger als die isolierte Betrachtung des Leitzinses. Solange das Gewinnwachstum hoch genug ist, können die Unternehmen höhere Finanzierungskosten verkraften und einen Teil des Bewertungsdrucks durch höhere Zinsen auffangen.
















