September 18, 2026 9:45 p.m. CEST

Seltene Aufnahmen von Walen

„Als ich begriff, was da vor sich ging, war ich völlig überrascht“


Aktualisiert am 18.09.2026 – 08:54 UhrLesedauer: 3 Min.

Ein Buckelwal im Meer (Symbolbild): Wie verhalten sich die Meeressäuger, wenn ihr Nachwuchs stirbt? (Quelle: xWirestockx via imago-images.de)

Vor der Küste von Queensland filmt ein Kapitän eine außergewöhnliche Szene. Für Meeresforscher sind die Aufnahmen ein Meilenstein.

Ein Walkalb liegt leblos auf dem Meeresgrund. Das Muttertier kehrt mehrfach zurück, berührt den Kadaver sanft mit dem Kopf sowie der massiven Brustflosse und legt sich schließlich reglos neben den kleinen Wal. Ein zweiter ausgewachsener Buckelwal bleibt ebenfalls in der Nähe. Mehr als eine Stunde lang verlassen beide Meeressäuger das tote Jungtier nicht.

Ein Unterwasser-Video aus dem vergangenen Jahr, in dem diese Szenen zu sehen sind, wurde von Wissenschaftlern nun veröffentlicht und in einer Fachstudie ausgewertet. Die Aufnahmen sind in den Küstengewässern der Gold Coast im australischen Bundesstaat Queensland entstanden und gelten als die weltweit ersten, die zeigen, wie Buckelwale unmittelbar nach dem Tod eines Neugeborenen reagieren.

Dass die Szene überhaupt festgehalten wurde, ist alles andere als selbstverständlich. Neugeborene Bartenwale sinken im Falle eines Todes meist rasch in die Tiefe und verschwinden aus dem Blick. Im Juli 2025 aber ging in den flachen Gewässern vor der Gold Coast ein Notruf ein: Zwei Buckelwale verhielten sich auffällig, ein Rettungsteam für Meeressäuger sollte nach ihnen sehen. Skipper Andrew Mulville, der für die Walrettung der Sea World Foundation arbeitet, bekam die Anfrage: Zeugen vermuteten, einer der Wale sei verletzt oder in Netzen verfangen. Mulville steuerte daraufhin zum Palm Beach Reef und hielt gezielt nach den Tieren Ausschau.

„Als ich begriff, was da vor sich ging, war ich völlig überrascht“, sagt Mulville rückblickend. „Auf den ersten Blick dachte ich, es seien nur zwei Wale, die sich an der Oberfläche ausruhen, aber ihr Verhalten war ungewöhnlich.“

Um die Situation zu prüfen, tauchte er seine Kamera unter Wasser. Die Aufnahmen zeigen die dumpfen Laute der Wale, die langsamen Drehbewegungen und den engen Körperkontakt. „Es war sehr emotional, mit den Lauten der Mutter und des zweiten erwachsenen Begleittiers“, sagte Mulville. Zudem entdeckte er die Reste einer Fruchtblase an der Oberfläche – der Beweis, dass das Kalb kürzlich geboren wurde. Die Forscher gehen von einer Totgeburt aus.

Trauern Wale?

Die Bilder gehen an die Griffith University. Der Meereswissenschaftler Dr. Jan-Olaf Meynecke, Forschungsleiter des Whales and Climate Research Program, wertete sie gemeinsam mit Kollegen aus. Die Verhaltensweise der Mutter fällt unter den biologischen Oberbegriff des „epimeletischen Verhaltens“ – also Fürsorge und Aufmerksamkeit gegenüber verletzten oder hilflosen Artgenossen. Bei Zahnwalen, also etwa Delfinen, Orcas oder Grindwalen, ist diese Fürsorge bereits gut dokumentiert.

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