Entlastungen in Europa
TotalEnergies deckelt Preise an Tausenden Tankstellen
17.09.2026 – 14:18 UhrLesedauer: 3 Min.
Hohe Spritpreise zwingen Europas Regierungen zum Handeln. Frankreich und Italien setzen dabei auf sehr unterschiedliche Maßnahmen.
Die hohen Kraftstoffpreise setzen nicht nur Europas Autofahrer unter Druck, sondern auch die Regierungen. Frankreich verlängert gezielte Hilfen für besonders betroffene Branchen und setzt zugleich auf die Preisdeckelung eines großen Ölkonzerns.
Italien geht einen anderen Weg: Ab 2027 soll für viele kleinere Fahrzeuge die Kfz-Steuer entfallen. Beide Länder reagieren damit auf die steigenden Belastungen für Autofahrer, Betriebe und Pendler, wählen jedoch sehr unterschiedliche Instrumente.
Frankreich verlängert gezielte Kraftstoffhilfen
Frankreich reagiert auf die hohen Spritpreise mit einer Verlängerung der staatlichen Hilfen. Premierminister Sébastien Lecornu hat die Unterstützung für besonders betroffene Wirtschaftszweige bis zum 31. Dezember 2026 verlängert.
Die Entlastungen richten sich an Berufsgruppen, für die Kraftstoff einen zentralen Kostenfaktor im laufenden Betrieb darstellt.
- Fischerei: Die staatliche Hilfe soll von 25 auf 35 Cent pro Liter Diesel steigen.
- Bauwirtschaft: Förderfähige Unternehmen erhalten weiterhin Unterstützung für Diesel, der abseits des Straßenverkehrs in Baumaschinen eingesetzt wird.
- Landwirtschaft: Für Landwirte bleiben die Zuschüsse für steuerbegünstigten Dieselkraftstoff bestehen.
Ursprünglich hatte Frankreich diese Hilfen nur bis September oder Oktober verlängert. Mit der neuen Entscheidung soll nun jedoch Planungssicherheit bis zum Jahresende geschaffen werden.
TotalEnergies deckelt Preise und verärgert die Konkurrenz
Neben den staatlichen Hilfen sorgt in Frankreich eine Maßnahme des französischen Ölkonzerns TotalEnergies für Entlastung, aber auch für Streit. Der Konzern deckelt die Kraftstoffpreise in Teilen seines französischen Tankstellennetzes. Benzin wird dabei auf maximal 1,99 Euro je Liter und Diesel auf höchstens 2,25 Euro begrenzt.
Für Autofahrer ist das Angebot attraktiv. Unabhängige Tankstellenbetreiber sehen darin jedoch ein Problem. Ihr Verband FFC3 wirft TotalEnergies vor, seine Finanzkraft für eine aggressive Preispolitik zu nutzen, die freie Betreiber unter Druck setze. Der Verband wandte sich deshalb an die französische Wettbewerbsbehörde und erhob den Vorwurf des „Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung und unlauteren Wettbewerbs“.
TotalEnergies beziffert die Kosten des Preisdeckels auf 250 bis 300 Millionen Euro. Zeitgleich stieg der Gewinn des Konzerns im ersten Halbjahr 2026 auf 11,2 Milliarden Euro.
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Italien streicht Kfz-Steuer für viele Autofahrer
Italien wählt einen anderen Weg. Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verzichtet im Jahr 2027 weitgehend auf die Erhebung der Kfz-Steuer für kleinere Fahrzeuge. Betroffen sind Personenkraftwagen mit weniger als 80 Kilowatt (kW) Leistung sowie Motorräder und Motorroller. Nach offiziellen Angaben umfasst die Maßnahme rund 14,5 Millionen Fahrzeuge. 80 kW entsprechen in der Praxis etwa 110 PS.
