Nur mit Ticket aufs Bahngleis
„Das würde zum Kollaps des gesamten Systems führen“
15.09.2026 – 15:26 UhrLesedauer: 3 Min.

In vielen europäischen Ländern ist Zugangskontrolle am Bahnsteig längst Alltag. Darüber, ob das Modell auch für Deutschland taugt, herrscht Uneinigkeit bei den Parteien.
Andere Länder, andere Sitten: Das bekannte Sprichwort gilt auch für Bahnhöfe. In Ländern wie Frankreich oder Großbritannien ist der Zugang zum Bahnsteig im Fernverkehr meist nur mit einem gültigen Ticket möglich. Während in Deutschland erst einmal jeder Fahrgast in den ICE einsteigen kann und das Ticket dann im Zug kontrolliert wird, gibt es in vielen anderen Ländern automatische Ticketbarrieren an den Bahnsteigen.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat sich für solche Zugangskontrollen an großen deutschen Bahnhöfen nun offen gezeigt. Im Fernverkehr könne es sinnvoll sein, den Zugang zu den Bahnsteigen stärker an eine gültige Fahrkarte zu knüpfen, sagte Bilger den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Das System sei zwar in Deutschland nicht direkt kopierbar, weil es historisch gewachsene Bahnhöfe gebe, schränkte Bilger ein. Er halte den Ansatz aber „grundsätzlich für sinnvoll“ und sehe Potenzial, ihn auch in Deutschland weiterzuentwickeln und praktisch zu erproben.
Vom Koalitionspartner SPD bekommt Bilger Rückendeckung. „Den Zugang zum Bahnsteig an eine Fahrkarte zu knüpfen, halte ich für einen praktikablen und effizienten Schritt für mehr Sicherheit im Bahnverkehr“, sagte der Berichterstatter für Bahnverkehr in der SPD-Bundestagsfraktion, Martin Kröber, t-online. Er forderte gleichzeitig die „zeitnahe und flächendeckende Einführung eines solchen Systems, anstatt langwieriger Testphasen an einzelnen Standorten“.

Auch bei der größten Oppositionspartei im Deutschen Bundestag, der AfD, zeigt man sich prinzipiell aufgeschlossen für Zugangskontrollen zu Bahnsteigen. Zwar würden bei der Eisenbahn in Deutschland häufig „bauliche Hindernisse“ dagegen sprechen, sagte der verkehrspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag, Wolfgang Wiehle, t-online. Als Beispiele nannte er Durchgangsbahnhöfe mit mehreren Zugängen oder die gleichzeitige Nutzung von Gleisen durch den Fern- und Nahverkehr. Aber unter besimmten Bedinungen seien Ticketkontrollen „diskussionswürdig.
Wiehle schlägt vor, dass die DB Infrago, die Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn, gemeinsam mit der DB Fernverkehr zunächst ein Pilotprojekt zu Zugangskontrollen erproben solle. Hierfür würden sich große Kopfbahnhöfe anbieten, zum Beispiel Frankfurt am Main, München oder Leipzig. „Dies kann aber nur an Bahnsteigen erfolgen, die ausschließlich durch den Fernverkehr genutzt werden“, sagte der Verkehrspolitiker weiter. Er forderte eine ergebnisoffene Testphase, bevor weitere Entscheidungen gefällt werden.
















