Bei vielen verschiedenen Krankheiten
Bewegung gegen Schmerzen: Diese niedrige „Dosis“ hilft schon
24.09.2026 – 15:13 UhrLesedauer: 3 Min.
Ob bei Arthrose oder Migräne: Bewegung kann viele Arten von Schmerzen lindern. Eine neue Studie legt nahe, dass dafür schon wenige Stunden pro Woche ausreichen.
Wer Schmerzen hat, schont sich meist lieber, als Sport zu treiben. Doch ist das eine gute Idee? Viele Studien weisen in die Gegenrichtung. In einer großen Übersichtsarbeit kommt ein Forschungsteam nun zu dem Schluss: Bewegung kann Schmerzen deutlich lindern. Ein hohes Sportpensum muss es dafür nicht sein: Kürzere und weniger intensive Trainings scheinen sogar besser zu helfen. Eine deutliche Wirkung zeigte sich bereits bei weniger als zwei Stunden Bewegung pro Woche.
- Depressionen und Angststörungen: Rheuma belastet oft die Psyche – was tun?
- Anzeichen und Behandlung: Woran sich Fibromyalgie erkennen lässt und was hilft
So gingen die Forscher vor
Die Wissenschaftler führten keine experimentelle Studie mit eigenen Teilnehmern durch. Stattdessen werteten sie die bereits vorhandene Forschung noch einmal gebündelt aus. Konkret fassten sie 157 systematische Übersichtsarbeiten zusammen. Eine solche übergeordnete Auswertung nennt man Dachübersicht, weil sie die Ergebnisse vieler Übersichtsarbeiten unter einem gemeinsamen Dach zusammenführt.
Die 157 ausgewerteten Übersichtsarbeiten wiederum enthielten insgesamt 2.736 sogenannte randomisierte kontrollierte Studien mit 221.279 Teilnehmern. „Randomisiert kontrolliert“ bedeutet: Der Zufall entscheidet, wer beispielsweise an einem Bewegungsprogramm teilnimmt und wer zur Kontrollgruppe gehört. Diese Vergleichsgruppe erhielt je nach Studie etwa die übliche Behandlung, keine zusätzliche Maßnahme oder weniger Bewegung. Durch diese zufällige Zuteilung können Forscher besser beurteilen, ob Unterschiede zwischen den Gruppen tatsächlich auf das Bewegungsprogramm zurückgehen.
In den Studien ging es um eine Vielzahl unterschiedlicher Beschwerden – von vorübergehenden Schmerzen bis zu chronischen, also länger anhaltenden Schmerzen. Auch die Bewegungsprogramme unterschieden sich stark: Sie reichten von Ausdauer- und Krafttraining über Yoga, Pilates und Tai-Chi bis zu Wassergymnastik. Manche Programme dauerten nur eine Woche, andere bis zu 240 Wochen.
Bewegung als Schmerzmittel?
Die Auswertung ergab: Über alle Trainingsformen und Schmerzarten hinweg ließen die Schmerzen stärker nach als in den jeweiligen Vergleichsgruppen.
Bei einigen Studien stuften die Teilnehmer ihre Schmerzen auf einer Skala von null bis zehn ein. Null steht dabei für keine Schmerzen, zehn für die stärksten vorstellbaren Schmerzen. In diesen Auswertungen sank die Schmerzstärke durch Bewegung im Durchschnitt um rund einen Punkt stärker als in den Vergleichsgruppen. Das ist eine messbare Besserung, bedeutet aber keineswegs, dass die Schmerzen verschwinden.
Die Studienautoren ordnen diesen Effekt als bemerkenswert ein. Nach ihrer Einschätzung lindert Bewegung Schmerzen in einer ähnlichen Größenordnung wie viele Medikamente gegen Schmerzen – teils sogar stärker. Gerade bei chronischen Schmerzen bringen Medikamente oft nur eine begrenzte Linderung. Bewegung kann deshalb ein wichtiger Baustein der Behandlung sein.
Wichtig ist allerdings: Die in die Analyse einbezogenen Studien haben Bewegung und Medikamente nicht direkt gegeneinander getestet. Die Forscher vergleichen ihre Ergebnisse vielmehr mit den Effekten, die Schmerzmittel in anderen Untersuchungen erzielt haben. Deshalb lässt sich daraus nicht ableiten, dass Bewegung Schmerzmittel ersetzen kann.















