Beschimpft, bedroht, aus dem Schlaf gerissen
Soldatin meldet Übergriff – dann beginnt das Mobbing
Aktualisiert am 30.09.2026 – 14:03 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine junge Marinesoldatin wirft einem ranghöheren Kameraden sexuelle Belästigung vor. Nach ihrer Meldung sei sie von Teilen ihrer Einheit angefeindet worden. Experten sehen dahinter ein strukturelles Problem.
Eine 19-jährige Marinesoldatin hat ihren Vorgesetzten sexuelle Belästigung durch einen ranghöheren Kameraden gemeldet. Danach sei sie in ihrer Einheit beschimpft, bedroht und nachts wiederholt durch Tritte gegen ihre Tür eingeschüchtert worden. Das berichtet sie dem ARD-Politikmagazin „Report Mainz“. Erst Monate später sei sie versetzt worden.
Der Fall wirft erneut die Frage auf, wie gut die Bundeswehr Soldatinnen schützt, die Übergriffe melden. Fachleute sehen Probleme in der Führungskultur und im internen Beschwerdesystem. Die Bundeswehr selbst räumt Handlungsbedarf ein.
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Angst vor Nachteilen
Karen Hagemann, Mitbegründerin des Forschungsverbunds Militär, Krieg und Geschlecht/Diversität, hält die starke Bedeutung von Kameradschaft und Hierarchie in Streitkräften für einen Teil des Problems. „Meldungen werden häufig als Nestbeschmutzung wahrgenommen“, sagte sie „Report Mainz“. Sie fordert unabhängige Meldewege außerhalb der eigenen Einheit. Solche Modelle hätten sich etwa in skandinavischen Streitkräften und in den Niederlanden bewährt.
Auch die Wehrrechtsanwältin Laura Kleinebrecht berichtet aus ihrer Praxis von Soldaten, die Nachteile für ihre Karriere befürchteten. Besonders problematisch könne es sein, wenn die Person, gegen die sich eine Beschwerde richtet, zugleich Einfluss auf Beurteilungen oder die weitere Laufbahn hat. Dabei verbietet die Wehrbeschwerdeordnung ausdrücklich, Soldaten wegen einer Beschwerde zu benachteiligen.
Zahl der Meldungen steigt
Dass es dennoch Schwierigkeiten beim Umgang mit solchen Fällen gibt, zeigt auch der aktuelle Jahresbericht des Wehrbeauftragten. Das Verteidigungsministerium registrierte 2025 insgesamt 430 Erstmeldungen über Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung, nach 395 im Jahr zuvor. Der Wehrbeauftragte schreibt zugleich, dass noch immer nicht alle Vorfälle gemeldet würden. Entscheidend sei vielfach das Klima in der jeweiligen Einheit und damit die Führung vor Ort.

Der Bericht warnt auch davor, Betroffene nach einer Meldung automatisch aus ihrer Einheit zu versetzen. Das könne Soldatinnen und Soldaten davon abhalten, Vorfälle überhaupt zu melden, wenn sie befürchten müssten, am Ende selbst ihren Arbeitsplatz innerhalb der Truppe zu verlieren. Für dieses Jahr spricht das Verteidigungsministerium in „Report Mainz“ zudem von einem „überproportionalen Anstieg“ bestimmter Verdachtsmeldungen.
Untere Führungsebenen zu schwach?
Der deutliche Anstieg der Verdachtsmeldungen veranlasste Generalinspekteur Carsten Breuer zu einem internen Truppenbefehl. Sexualisiertes Fehlverhalten habe „keinen Platz in den Streitkräften“, die Prävention sei eine vorrangige Aufgabe der Vorgesetzten.
Militärhistoriker Sönke Neitzel hält dennoch vor allem die unteren Führungsebenen für zu schwach. Gruppen- und Zugführer müssten früher eingreifen. Seine Bilanz fällt drastisch aus: Zum jetzigen Zeitpunkt sei „die Integration von Frauen in die Bundeswehr gescheitert“, sagte er „Report Mainz“.















