„Absolut zermürbend“
St.-Pauli-Trainer Dobrick über die Zeit vor seinem Outing
05.08.2026 – 19:58 UhrLesedauer: 2 Min.
Ende März machte Christian Dobrick als Jugendtrainer des FC St. Pauli seine Homosexualität öffentlich. Nun schildert er, welche Belastung die Jahre davor für ihn bedeuteten.
Vier Monate nach seinem Coming-out hat Christian Dobrick offen über seine anfänglichen Ängste vor möglichen beruflichen Konsequenzen gesprochen. Der Jugendtrainer des FC St. Pauli schilderte dem „Tagesspiegel“, wie er sich innerlich auf das Ende seiner Trainerkarriere vorbereitet hatte – und was ihn letztlich dazu bewog, seine Homosexualität öffentlich zu machen.
Dobrick beschrieb, wie ihn die Frage nach möglichen beruflichen Folgen lange beschäftigt hatte. „Ich lebe jetzt unter meinen Bedingungen, für mich und nicht mehr für andere. Aber vorher habe ich mir viele Gedanken gemacht: Ist das mein Karriereende? Ist meine Sexualität die gläserne Decke? Ich habe mich innerlich auf den Fall vorbereitet, nicht mehr als Trainer arbeiten zu können“, sagte er.
„Die Versteckspiele waren absolut zermürbend“
Den Antrieb hinter seinem Schritt fasste der gebürtige Flensburger so zusammen: „Die Versteckspiele waren absolut zermürbend. Man überlegt sich ständig: Was tue ich? Wann tue ich es? Wem erzähle ich was? Wenn man dann 29 ist und noch ein paar Jahre vor sich hat im Fußball, muss man sich irgendwann fragen, ob das die Art ist, wie man auf Dauer leben möchte.“
Das Ausmaß der öffentlichen Reaktion überraschte ihn. „Dass es so groß wird, habe ich nicht erwartet. Ich dachte, es wird eine Nachricht und es wird darüber berichtet. Aber die Flut an Reaktionen hat mich überrascht. Ich bin schließlich kein Nationalspieler“, sagte Dobrick. Aus seinem persönlichen Umfeld und von seinen Spielern seien die Rückmeldungen durchweg positiv gewesen.
„Vereinzelt wurde ich beleidigt“
Neben Zuspruch erhielt er aber auch Hassnachrichten. „Aber natürlich gibt es auch die anderen Stimmen. Vereinzelt wurde ich beleidigt, zum Beispiel als ‚Drecksschwuchtel, die Jesus finden soll'“, berichtete er. Rechtliche Schritte gegen alle Absender schloss er aus: „Alle zur Anzeige bringen kann man nicht. Die Zeit möchte ich mir für solche Menschen auch gar nicht nehmen.“
Nach Dobricks Coming-out Ende März hatten sich prominente Fußballpersönlichkeiten zu Wort gemeldet, darunter Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann, Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß und Frauen-Bundestrainer Christian Wück. Alle drei sprachen sich für einen offeneren Umgang mit Homosexualität im Fußball aus. In den drei höchsten deutschen Ligen hat sich bislang kein aktiver Profi öffentlich geoutet.














