„Nichts wird schnell gehen“
Das ist das neue Konzept für die Bahn
Aktualisiert am 22.09.2025 – 14:01 UhrLesedauer: 5 Min.
Mit einem umfassenden Konzept will der Verkehrsminister die Bahnpolitik erneuern. Doch bis die Veränderungen greifen, könnten noch Jahre vergehen.
Mit neuer Bahnchefin, abgeschwächten Pünktlichkeitszielen und einem Fokus auf Sauberkeit und Sicherheit will Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) die Krise der Deutschen Bahn angehen. Bis sich für die Fahrgäste grundlegende Verbesserungen einstellen, dürfte es aber noch einige Jahre dauern. Das unterstreicht auch die designierte Bahnchefin Evelyn Palla: „Nichts wird schnell gehen. Das ist kein Sprint. Die Sanierung der Eisenbahn-Infrastruktur ist ein Marathon.“
Geht es nach Schnieder, soll Palla die Nachfolge des im August abberufenen Bahnchefs Richard Lutz antreten. Laut dem Verkehrsminister ist Palla die beste Kandidatin für den Posten. Es habe bei der Suche viele Gespräche gegeben, am Ende sei das Ergebnis eindeutig gewesen, betonte er. Eine Bestätigung durch den Aufsichtsrat steht aber noch aus.
Palla ist seit 2019 bei der Deutschen Bahn. Zunächst war sie Finanzvorständin bei DB Fernverkehr, seit 2022 ist sie für den Regionalverkehr mit rund 780.000 Fahrten monatlich, inklusive aller S-Bahnen, verantwortlich. Die 1973 in Bozen geborene Südtirolerin gilt als empathischer als ihr Vorgänger Lutz, auch charismatischer. DB Regio schrieb unter ihrer Führung im ersten Halbjahr 2025 wieder schwarze Zahlen.
Doch die Aufgaben für Palla sind groß. So sollen bis Ende 2029 mindestens 70 Prozent der Fernzüge ohne größere Verzögerungen im Netz unterwegs sein. Die bisherigen, deutlich höheren Ziele der Bahn selbst kritisierte der Minister als „jenseits aller Realität“ und als nicht annähernd erreichbar. Die Bahn wollte bereits im Jahr 2027 eine Pünktlichkeit von mindestens 75 Prozent erzielen.
„Mittelfristig“ soll die Quote nun laut Ministerium bei mindestens 80 Prozent liegen, „langfristig“ bei mindestens 90 Prozent. Im Nahverkehr soll die Pünktlichkeit dauerhaft mehr als 90 Prozent betragen. Ein konkreter Zeitraum für diese Ziele geht aus der Strategie nicht hervor.
Im ersten Halbjahr war mehr als ein Drittel der Fernzüge der Bahn unpünktlich. Im Juli habe es an drei Tagen in Folge weniger als 40 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr gegeben, betonte Schnieder. Das könne nicht so bleiben. Erst am Montag kam es erneut zu weitreichenden Einschränkungen zwischen Hamburg und Berlin aufgrund von Oberleitungsschäden.
Ambitioniert sind die Ziele des Verkehrsministers auch beim Ausbau der Infrastruktur. In der Bundeskonferenz spricht der Minister von einem „Sanierungsjahrzehnt“. Insgesamt sollen bis 2029 100 Milliarden Euro in die Hand genommen werden, um die marode Infrastruktur grundlegend zu erneuern. Konkret sollen bis 2035 1.000 der rund 5.700 Bahnhöfe in Deutschland modernisiert werden.
