Neue Konkurrenz
Die Chinesen kommen – aber diesmal ist alles anders
Aktualisiert am 17.09.2026 – 10:21 UhrLesedauer: 7 Min.
Chinesische Hersteller drängen auf den Markt für Nutzfahrzeuge. Die europäische Konkurrenz gibt sich gelassen – ruft aber hinter den Kulissen nach Schutz. Wie ernst die Lage wirklich ist.
Volker Wissing sitzt auf einem kleinen Schemel in der ersten Reihe vor der Bühne, neben ihm der chinesische Generalkonsul, dahinter ein verhüllter Lkw. Der ehemalige Bundesverkehrsminister setzt sich Kopfhörer auf und verfolgt, wie der Hersteller FAW sein 70-jähriges Bestehen feiert und ein Konzeptfahrzeug enthüllt. Wissing, früher FDP, heute parteilos, sagt nichts, posiert am Ende für ein Gruppenfoto, schüttelt ein paar Hände und geht.
Sein Auftritt auf der IAA Transportation in Hannover zeigt, wie ernst es die Hersteller aus China mit Europa meinen. FAW, hierzulande nahezu unbekannt, holt sich für seine Feier einen ehemaligen Bundesminister und den Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie (VDA) auf die Gästeliste. 363 chinesische Aussteller sind in diesem Jahr auf der Messe, sie bilden die größte ausländische Gruppe. Vor zwei Jahren waren es noch rund hundert mehr – doch damals ließ der VDA auch noch deutlich mehr Kleinstaussteller zu. Wer geblieben ist, kommt mit größeren Ständen, Händlerverträgen und Werksplänen. „Wir bleiben langfristig“, sagt ein Manager von Foton, dem größten Nutzfahrzeughersteller Chinas.

Auf der Bühne geben sich die Europäer gelassen. „Es ist mir eigentlich egal, woher der Wettbewerb kommt“, sagt Achim Puchert, der bei Daimler Truck die Sparte Mercedes-Benz Trucks führt. Man nehme jeden Wettbewerber ernst, habe aber keine Angst. Die drei größten Nutzfahrzeugkonzerne der Welt seien nach wie vor europäisch. Auch MAN-Vertriebsvorstand Friedrich Baumann begrüßt den Wettbewerb, er helfe, besser zu werden, sagt er.
Noch gibt ihnen die Gegenwart recht. In Ausschreibungen für Lastwagen begegneten ihm chinesische Anbieter bislang nicht, sagt Baumann. An den Ladeparks des Betreibers Milence tauchten sie „sehr, sehr selten“ auf, sagt Deutschlandchef Till Kreft; die Kunden führen MAN, Daimler, Volvo und Renault.
- Industrie sendet Hilferuf: Die Rechnung geht nicht auf
Auf dem Spiel steht trotzdem viel: Allein am deutschen Nutzfahrzeugbereich hängen nach Angaben des VDA rund 140.000 Arbeitsplätze. Und der Lkw-Markt funktioniert anders als der für Autos. Lastwagen sind kein Privatkundengeschäft. Hier kauft niemand aus Begeisterung für eine Marke, hier wird gerechnet: Was kostet das Fahrzeug im Betrieb, und wer repariert es, wenn es liegen bleibt? Das macht den Einstieg für Neue schwerer – aber es macht den Wechsel auch leichter, sobald beides stimmt.















