Oktober 22, 2026 1:25 a.m. CEST

Christina Applegate

Fehldiagnose nach Jahren: So deckten Ärzte sie auf


21.10.2026 – 15:39 UhrLesedauer: 2 Min.

Christina Applegate: Die Schauspielerin war zuletzt auf Gehhilfen oder einen Rollstuhl angewiesen. (Quelle: Kevin Winter/Getty Images)

Jahrelang ließ sich Christina Applegate gegen Multiple Sklerose behandeln und setzte sich für mehr Aufklärung ein. Nun steht sie mit ihrer Diagnose plötzlich wieder ganz am Anfang.

Taube Zehen, Schmerzen und später große Schwierigkeiten beim Gehen: Mit diesen Beschwerden begann für Christina Applegate Anfang 2021 eine lange medizinische Suche. Ärzte fanden bei der Schauspielerin fast 40 Läsionen im Gehirn. So nennen Mediziner krankhaft veränderte Stellen im Gewebe. Schließlich diagnostizierten sie Multiple Sklerose, kurz MS, eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems.

Fünf Jahre später erklärte Applegate in ihrem Podcast „MeSsy“, eine neue Untersuchung habe die Diagnose widerlegt. Ihre Ärztin habe diese aufgrund von Unstimmigkeiten bei Applegates Symptomen veranlasst. Im Gespräch mit Applegate erklärt die Neurologin Marwa Kaisy vom Cedars-Sinai-Klinikum in den USA, warum eine Fehldiagnose bei MS keine Seltenheit ist.

Für MS gibt es keinen eindeutigen Einzeltest

Das Problem bei MS: Es gibt keine einzelne Untersuchung, die eine klare Diagnose stellt. Fachleute müssen verschiedene Hinweise zusammensetzen. Dabei helfen die sogenannten McDonald-Kriterien. Sie berücksichtigen die Krankengeschichte, neurologische Untersuchungen, Bilder von Gehirn und Rückenmark sowie Ergebnisse aus Blut- und Nervenwasseranalysen.

Erschwert wird die Diagnose laut Neurologin Marwa Kaisy auch dadurch, dass viele typische MS-Beschwerden den Symptomen anderer Krankheiten ähneln. Die Expertin erklärt im Gespräch mit Applegate, dass Beschwerden wie Kribbeln in den Gliedmaßen, Taubheitsgefühl, Erschöpfung, Zittern und Gehprobleme viele Ursachen haben können.

Was besonders frühe Warnsignale von MS sind, erfahren Sie hier.

Auffällige Stellen im Gehirn bedeuten nicht automatisch MS

Auch die bildgebende Kernspintomografie – ein zentraler Bestandteil des Diagnoseverfahrens – kann in die Irre führen, wie der Fall von Applegate zeigt. Bei MS zeigen die Bilder häufig Läsionen an typischen Stellen. Form und Verteilung helfen Fachleuten, MS von anderen Krankheiten abzugrenzen. Doch nicht jede Veränderung entsteht durch MS, so Kaisy.

Der Neurologin zufolge kommt eine Fehldiagnose durch all diese Faktoren in der Praxis recht häufig vor: Ihrer Erfahrung nach hatte fast jeder fünfte MS-Patient nach erneuter Untersuchung keine MS. Manche trugen die Diagnose schon seit Jahrzehnten und bekamen bereits lange Medikamente gegen die Erkrankung.

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 stützt diese Beobachtung. Die Forscher werteten 62 Studien aus. Zusammen lag der Anteil falscher MS-Diagnosen bei 15 Prozent. Bis Ärzte den Irrtum korrigierten, vergingen zwischen 0,3 und 15,9 Jahre.

Neue Technik erkennt entscheidende Veränderungen

Eine spezielle Kernspintomografie soll die Diagnose sicherer machen. Sie ist seit 2024 Teil der erneuerten Diagnosekriterien bei MS. Dabei erkennt die fortgeschrittene Bildgebung eine kleine Vene, die durch eine Läsion im Gehirn verläuft, das sogenannte zentrale Venenzeichen. Dieses Muster gilt als besonders typisch für MS. Es fehlte in Applegates Kernspintomografie jedoch, wodurch ihre Neurologin die MS-Diagnose verwarf. Noch bieten nicht alle Kliniken die spezielle Kernspintomografie an, so Kaisy.

Zusätzliche Hinweise liefert eine Untersuchung des Nervenwassers. Mehr als 95 Prozent der Menschen mit MS tragen dort bestimmte Eiweiße, etwa sogenannte oligoklonale Banden. Auch Applegate hatte nach eigenen Aussagen solche Banden in ihrem Nervenwasser aufgewiesen.

Sie selbst beschreibt die Fehldiagnose als sehr belastend: „Ich war überhaupt nicht glücklich. Ich habe alle Symptome einer MS-Erkrankung. Jedes einzelne davon. Jetzt bin ich wieder ganz am Anfang.“

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