Oktober 21, 2026 10:04 p.m. CEST

Laut Studie

Wie Aktivitäten in der Natur bei Einsamkeit helfen können


21.10.2026 – 15:41 UhrLesedauer: 3 Min.

In Deutschland fühlen sich etwa 8 bis 19 Prozent der Menschen ab 50 beziehungsweise 65 Jahren regelmäßig einsam. Möglicherweise hilft es manchen, Zeit in der Natur zu verbringen. (Symbolbild) (Quelle: Dianne Gralnick/getty-images-bilder)

Ob gemeinsam mit anderen oder allein: Einer neuen Studie zufolge können Aktivitäten in der Natur Einsamkeit lindern – mit Effekten, die langfristig nachwirken.

Einsamkeit entsteht, wenn Menschen sich nicht verbunden fühlen beziehungsweise ihre sozialen Beziehungen als weniger eng oder erfüllend empfinden, als sie es sich wünschen. Das ist nicht dasselbe wie Alleinsein: Auch wer viele Menschen um sich hat, kann sich einsam fühlen. Umgekehrt muss es nicht einsam machen, viel Zeit allein zu verbringen.

Hält das Gefühl von Einsamkeit länger an, kann das die psychische Gesundheit belasten und mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen wie Depressionen und Herz-Kreislauf-Probleme einhergehen. Um Betroffenen zu helfen, suchen Fachleute deshalb auch nach Ansätzen jenseits klassischer medizinischer Behandlungen, etwa Naturaktivitäten auf Rezept, die Menschen zusammenbringen.

Wie gut das funktionieren kann, untersuchte ein internationales Forschungsteam in Barcelona. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „The Lancet Regional Health – Europe“.

Gemeinsam ins Grüne

An der randomisierten kontrollierten Studie nahmen 320 Erwachsene aus sozial benachteiligten Stadtvierteln teil, die sich einsam fühlten. Das mittlere Alter lag bei etwa 63 Jahren, 80 Prozent waren Frauen. „Randomisiert kontrolliert“ bedeutet, die Probanden wurden nach dem Zufallsprinzip auf zwei Gruppen verteilt.

Die eine Hälfte der Teilnehmer wurde in kleine Gruppen von acht bis zehn Personen aufgeteilt und unternahm mit Unterstützung geschulter Begleiter neun Wochen lang einmal wöchentlich zweistündige Aktivitäten in der Natur. Dazu gehörten etwa Gärtnern, Vogelbeobachtung und kreative Angebote, bei denen die Probanden mit Naturmaterialien arbeiteten oder sich künstlerisch mit ihrer Umgebung auseinandersetzten.

Die andere Hälfte erhielt Informationen über kostenlose Naturangebote in der Umgebung, die sie selbstständig nutzen konnte. Zu Beginn sowie nach drei, sechs und zwölf Monaten befragten die Forscher alle Teilnehmer zu ihrem Einsamkeitsgefühl.

Das Ergebnis: In beiden Gruppen nahm das Einsamkeitsgefühl ab. Nach drei Monaten lagen die entsprechenden Werte im Durchschnitt um elf Prozent niedriger als zu Beginn. Nach einem Jahr betrug der Rückgang 17 Prozent.

Einen entscheidenden Unterschied gab es allerdings je nach Ausgangslage: Menschen, die sich besonders einsam fühlten und emotional stärker belastet waren, profitierten stärker von den begleiteten Gruppentreffen als von den bloßen Hinweisen auf Freizeitangebote in der Natur. Bei weniger stark belasteten Menschen waren beide Ansätze ähnlich wirksam.

Warum Natur und Gemeinschaft helfen können

Studienautorin Jill Litt erklärt: „Es gibt viele begeisterte Stimmen zu Natur auf Rezept, aber bisher nur wenige wissenschaftliche Nachweise.“ Die neuen Ergebnisse lieferten nun Belege dafür, dass solche Angebote wirken und die Effekte anhalten können.

Bei der sogenannten naturbasierten Verschreibung empfehlen Fachleute Menschen gezielt Aktivitäten in ihrer Umgebung, um ihr Wohlbefinden zu fördern. Die Natur bietet dabei einen Rahmen, in dem Begegnungen leichter entstehen können. Gemeinsame Erlebnisse schaffen Gesprächsanlässe und können das Gefühl stärken, dazuzugehören.

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