„Ich habe Ängste abgelegt“
Ricarda Lang macht sich Sorgen über Schönheitsdruck
22.07.2026 – 17:46 UhrLesedauer: 2 Min.
Kommentare über ihren Körper gehören für Ricarda Lang oft zu ihrem Alltag. Auch nach ihrer starken Gewichtsabnahme beschäftigen Schönheitsideale die Politikerin.
Als Ricarda Lang noch Parteivorsitzende der Grünen war, ging es häufig mehr um ihr Gewicht als um ihre politischen Positionen. Mittlerweile hat sie zwar viel abgenommen, doch der öffentliche Blick beschäftigt sie noch immer.
In einem Interview mit der Zeitschrift „Bunte“ sagte sie nun: „Ich habe ein paar Ängste abgelegt. Und auch ein paar Kilos“. Die meisten Menschen reagierten positiv darauf und machten ihr ein Kompliment. Dennoch beschäftigt sie nicht nur die eigene Veränderung. Die 32-Jährige beobachtet, was in der Gesellschaft passiert, und äußert sich besorgt: „Wir erleben gerade einen enormen Schönheitsdruck.“
Es fühle sich an wie das Comeback der Nullerjahre, sagte sie. Lang erinnert daran, wie Musikern Britney Spears damals als „sterbensfett“ bezeichnet wurde, obwohl sie Größe 38 trug. „Jetzt sehe ich auf Social Media wieder sehr dünne Menschen, die zeigen, was sie an einem Tag essen – nämlich so gut wie nichts. Extremes Dünnsein ist wieder ein Ideal.“

Das betreffe nicht nur Frauen, sondern auch junge Männer. Die gingen jeden Tag ins Fitnessstudio oder „glaubten, sie müssten an ihrer Knochenstruktur hämmern lassen“, sagte sie. „Das macht mir Sorgen. Ich will, dass wir uns davon befreien.“
Für sich selbst hat die Politikerin einen anderen Umgang mit Stress gefunden. „Früher habe ich den Stress ‚weggegessen‘, hastig im Auto oder zwischen zwei Terminen.“ Das hat sich nun geändert. Heute mache sie Sport, vor allem Laufen und Krafttraining.
„Habe aufgehört, mich dafür zu entschuldigen, wer ich bin“
„Es ist der Moment am Tag, an dem mein Kopf mal still wird“, erzählte Lang. „Nach einer halben Stunde komme ich mit einer ganz anderen Klarheit zurück.“ Sie lerne außerdem, den inneren Schweinehund zu überwinden. Sport helfe ihr, auch in anderen Bereichen resilienter zu sein.
Oft läuft sie gemeinsam mit ihrem Mann Florian Wilsch. „Gemessen an der wenigen Zeit, die wir füreinander haben, ist das ein echter Lichtblick.“ Was sie an ihm am meisten schätzt? „Dass er unglaublich in sich ruht“ und nie versucht habe, Rollenbildern zu entsprechen. „Er ist mit sich im Reinen. Diese Sicherheit strahlt er aus.“
Auch ihr öffentliches Auftreten hat sich verändert. Als Parteivorsitzende habe sie ständig das Gefühl gehabt, beweisen zu müssen, nicht zu jung, zu unerfahren oder zu unernst zu sein. „Irgendwann habe ich gemerkt, wie viel Kraft ich darauf verwende, zu zeigen, wer ich nicht bin – und wie sehr dabei verloren gegangen war, wer ich eigentlich bin“, sagte sie. Heute mache sie das anders: „Ich habe aufgehört, mich dafür zu entschuldigen, wer ich bin.“















