Stromversorgung
Strom-Sabotage: Polizei stürmt Fahrzeug des Verdächtigen
Aktualisiert am 04.09.2026 – 19:27 UhrLesedauer: 3 Min.
Sabotageversuche gegen das deutsche Stromnetz sorgen für Aufsehen, es gibt Bekennerschreiben. Das Fahrzeug des Verfassers hat die Polizei gefunden – doch er selbst ist flüchtig.
Die Polizei fahndet mit Hochdruck nach einem Mann, der Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz verübt haben soll. Nachdem Beamte in der Wohnung des 48-Jährigen in Gevelsberg (NRW) Sprengstoff gefunden hatten, stürmte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) am Freitagnachmittag im rund 100 Kilometer entfernten Niederzier in einem Wald einen Lastwagen, der augenscheinlich zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Das berichtete NRW-Innenminister Herbert Reul in Düsseldorf. Der Mann war nicht in dem Fahrzeug, möglicherweise ist er zu Fuß unterwegs.
Der CDU-Politiker trat bei einer Pressekonferenz an der Seite von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) auf, der von „Klimaterrorismus“ sprach. Der Mann ist vermutlich ein Einzeltäter, sein Bekennerschreiben ist Ermittlern zufolge authentisch. „Das Wissen, was offenbart wird in diesen Schreiben, das ist eindeutiges Täterwissen“, sagte Dobrindt. Als Ziele nannte der Autor etwa Dormagen und Weisweiler bei Aachen – also Orte unweit von Braunkohle-Abbaugebieten, sagte NRW-Amtskollege Reul.

Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen im Visier
Die Briefe waren bei mehreren deutschen Medienhäusern eingegangen. Sie enthalten Medienberichten zufolge Informationen zu Taten, die zu diesem Zeitpunkt öffentlich noch nicht bekannt waren. „Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen“, hieß es in den Briefen.
Dem widersprach Innenminister Reul: „Fakt ist: Nicht die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ist ein Verbrechen, sondern kritische Infrastruktur anzugreifen ist ein Verbrechen.“ Für die Taten gebe es keine Rechtfertigung. „Keine Ideologie taugt als Ausrede.“ Wer im Namen des Klimaschutzes die Stromversorgung von Krankenhäusern gefährde, der rette nichts, sondern gefährde Leben. Zu möglichen Konsequenzen sagte Reul: „Wir müssen die kritische Infrastruktur besser schützen.“ Dafür brauche man klare Rechte und moderne Technik, etwa Kameras, Sensoren und Alarmsysteme.
Der Mann habe die Briefe allein unterschrieben und dabei sogar seine Wohnanschrift angegeben, was ungewöhnlich sei, sagte Reul und fügte hinzu: „Wenn man sieht, wo der überall rumgefahren ist, fragt man sich: Kann das einer alleine geschafft haben oder braucht er Helfer?“

Was passiert war
Es gab in dieser Woche mehrere Sabotageversuche mit Bezug zur Stromversorgung. Zuletzt sorgten Vorkommnisse in Nordrhein-Westfalen für Aufregung. So wurde an einem Umspannwerk in Dormagen zwischen Köln und Düsseldorf ein verdächtiger Gegenstand entdeckt, laut Polizei möglicherweise eine Abschussvorrichtung. Ein Spaziergänger hatte die Konstruktion bemerkt und die Polizei alarmiert.















