Baerbock verlässt die UN
„Jetzt bin ich Privatmensch“
04.09.2026 – 14:32 UhrLesedauer: 4 Min.
Annalena Baerbock blickt auf ein turbulentes Jahr an der Spitze der UN-Generalversammlung zurück. Nun plant die Grünen-Politikerin einen Neustart.
Wer Annalena Baerbocks politische Gegner aufzählen will, muss weit über Deutschland hinausblicken. Russland machte aus seiner Abneigung gegen die frühere Außenministerin nie einen Hehl und wollte ihre Wahl zur Präsidentin der UN-Generalversammlung verhindern. Baerbock schaffte es trotzdem auf den Posten. Während ihrer einjährigen Amtszeit geriet sie auch mit den USA aneinander. Kurz vor ihrem Abschied wirkt Baerbock davon bemerkenswert unbeeindruckt.
„Man darf keine Angst vor Gegenwind haben, sonst sind in solch stürmischen Zeiten diese Ämter nichts für einen“, sagt Baerbock der Nachrichtenagentur dpa. Turbulente Zeiten ist Baerbock gewohnt. In ihrer Zeit als Kanzlerkandidatin „hat es sich mal so angefühlt wie durch die Hölle zu gehen“, sagt sie heute. Baerbock sah sich damals Anfeindungen ausgesetzt, machte aber unter anderem auch mit Korrekturen am eigenen Lebenslauf und einem Buch wegen Textähnlichkeiten zu anderen Werken Negativ-Schlagzeilen.
Außenministerin-Amt als „beste Vorbereitung“
Es folgten später gezielte Desinformations-Kampagne Russlands. Im Gespräch beschreibt sie die Vorwürfe, eine Prostituierte gewesen zu sein, einen Gigolo in Afrika gehabt zu haben und die Szene, von einer Drohne verfolgt zu werden. Wegen einer russischen Aufklärungsdrohne musste die Grünen-Politikerin 2024 den Besuch eines Wasserwerks in der Ukraine vorzeitig abbrechen. Auch den im selben Jahr aufgekommenen Vorwurf, Baerbock habe auf einer Afrikareise eine Affäre mit einem afrikanischen Gigolo gehabt. Ein Versuch, ihre Position zu untergraben.
Besonders in ihrer Zeit als Außenministerin wurden einzelne sprachliche Patzer und unglückliche Formulierungen immer wieder aufgegriffen. Gleichzeitig war ein Teil der Kritik gegen sie nachweislich mit Falschbehauptungen und sexistischen Angriffen verbunden. Kritiker warfen ihr zudem teilweise eine zu konfrontative und stark werteorientierte Außenpolitik vor – insbesondere gegenüber Russland und China. Heute nennt sie das Amt als Außenministerin die „beste Vorbereitung für das UN-Amt“. „Ich glaube, ich verstehe ziemlich gut diese maskulinen Powergames.“
Angriffe von USA und Russland
Machtspiele gab es dem Vernehmen nach auch in New York bei den Vereinten Nationen. Laut UN-Kreisen sah sich die ehemalige Außenministerin auch hinter den Kulissen erheblichem Druck ausgesetzt. So sollen US-Vertreter mit Konsequenzen gedroht haben, wenn unerwünschte Themen auf die Tagesordnung kämen. Die USA und Russland etwa versuchen immer wieder mit Änderungsanträgen und der Androhung, Resolutionen nicht mitzutragen, etablierte Formulierungen unter anderem zu Frauenrechten und Klimaschutz abzuschwächen oder zu streichen.
„Die Vereinten Nationen und das internationale Recht werden regelrecht angegriffen. Und damit war das ein sehr turbulentes Jahr“, sagt die 45-Jährige. „Große Systeme wie die UN, die sterben nicht mit einem lauten Knall, sondern die zerfallen leise in sich zusammen.“














