Wachheitstest zeigte, dass der Wirkstoff hilft
Die Patienten wurden unter anderem einem standardisierten Wachheitstest unterzogen. Sie saßen dabei in einer ruhigen, abgedunkelten Umgebung und sollten versuchen, trotz dieser eher einschläfernden Bedingungen wach zu bleiben. Die Forscher maßen, wie lange es dauerte, bis die Teilnehmer einschliefen. Zu Studienbeginn passierte das im Durchschnitt bereits nach 4,1 bis 5,5 Minuten. Mit Oveporexton verlängerte sich diese Zeit in der einen Studie im Schnitt um 17,6 Minuten und in der anderen um 19,8 Minuten.
Schon ein Unterschied von zwei Minuten gilt in der Medizin als spürbarer und für Patienten relevanter Behandlungseffekt. Die in den Studien gemessenen Verbesserungen lagen damit deutlich über dieser Schwelle.
Auch andere Symptome besserten sich unter Oveporexton stärker als in der Placebo-Gruppe: Die Teilnehmer berichteten von weniger übermäßiger Tagesmüdigkeit. Außerdem traten bei ihnen seltener Kataplexien auf.
Was sagen Experten zu den Ergebnissen?
Um eine Einordnung der Befunde bat das Science Media Center (SMC) Anna Heidbreder, Geschäftsführende Oberärztin der Neurologie am Neurozentrum, Universitätsklinikum Bergmannsheil in Bochum. Als Wissenschaftlerin, die nicht an den Untersuchungen beteiligt war, kann sie eine unabhängige und somit objektivere Wertung abgeben, als es von den Studienautoren zu erwarten gewesen wäre. Heidbreder bezeichnete die Ergebnisse gegenüber dem SMC als „wirklich sensationell“.
Allerdings weist sie zugleich auf eine wichtige Einschränkung der Studie hin: „Auch wenn die Studienergebnisse große Hoffnung versprechen, fehlen uns bisher Langzeitdaten, die natürlich wahnsinnig wichtig sind. Vor allem müssen Langzeitdaten zeigen, ob die Wirksamkeit nach einer über dreimonatigen Einnahme nachlässt, ob andere, bisher nicht berichtete Nebenwirkungen auftreten und Weiteres. Die jetzt publizierten Daten erlauben noch nicht, darauf eine Antwort zu geben.“
Im zwölfwöchigen Studienzeitraum traten vor allem drei Nebenwirkungen auf: Schlaflosigkeit, häufigerer oder plötzlich auftretender Harndrang und vermehrter Speichelfluss. Nur wenige Teilnehmer brachen die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab.
Was bedeutet das für Betroffene?
Erkrankte könnten angesichts der vielversprechenden Studienergebnisse Hoffnung schöpfen. Der neue Wirkstoff könnte spürbar mehr Selbstständigkeit und Verlässlichkeit im Alltag bedeuten. Noch ist aber offen, ob dieser Effekt über Monate und Jahre anhält und wie gut sich das Mittel außerhalb kontrollierter Forschungsbedingungen bewährt.
Das wird in Deutschland erst möglich sein, wenn der Wirkstoff in der Europäischen Union zugelassen ist. Wann das der Fall sein wird, ist ungewiss. In China, Japan und den USA hat Oveporexton schon eine Zulassung erhalten.














