Kurdischer Verein in der Süper Lig
Die Saison droht zum Spießrutenlauf zu werden
25.08.2026 – 13:21 UhrLesedauer: 2 Min.
Amed SFK spielt erstmals in den ersten türkische Liga. Weil der Klub kurdisch geprägt ist, wird der Klub besonders beäugt. Das zeigt sich schon beim ersten Auswärtsspiel.
Es war im Vorfeld zu befürchten. Der Empfang beim ersten Süper-Lig-Auswärtsspiel für Amed SFK war ein feindseliger. Nicht wegen einer lokalen oder sportlichen Rivalität, sondern wegen der Herkunft des Klubs.
Amed SFK, genannt Amedspor, hat erstmal in seiner 54-jährigen Geschichte den Sprung in die Eliteklasse des türkischen Fußballs geschafft. Der Klub, der in der Provinzhauptstadt Diyarbakir im Südosten des Landes beheimatet ist, ist stark kurdisch geprägt.
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Es ist der Verein, für den einst der ehemalige deutsche U21-Nationalspieler Deniz Naki, der kurdische Wurzeln hat, auflief. 2016, Amed spielte noch drittklassig, hatte Naki einen Sieg den Opfern des Kurdenkonflikts gewidmet. Der türkische Fußballverband erachtete dies als „ideologische Propaganda“ und sperrte ihn für zwölf Spiele. Auch die Staatsanwaltschaft eröffnete zunächst ein Verfahren gegen Naki, das Gericht stellte dieses aber ein. 2018 sperrte ihn der Fußballverband dann lebenslang.
Vor allem auch wegen der jahrelangen Auseinandersetzungen zwischen dem türkischen Staat und der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK kam und kommt es immer zu Spannungen und Konflikten im Land. Die Kurden machen mit rund 15 Millionen Menschen etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung in der Türkei aus.
Auf diesen Konflikten basierten auch die obszönen Gesten auf den Rängen von Kocaelispor-Anhänger am Montag. Vor dem Spiel zeigten Anhänger beim Abspielen der Nationalhymne den umstrittenen Wolfsgruß, mit dem unter anderem Nationalspieler Merih Demiral bei der EM 2024 Empörung ausgelöst hatte. Das Handzeichen gilt als rechtsextremes Symbol.
Gelbe Plastiksäcke als obszöne Symbolik auf den Rängen
Zudem waren einige Anhänger zu sehen, die gelbe Plastiksäcke in die Höhe hielten, was ebenfalls als klare Provokation mit politischem Hintergrund in Richtung der Amed-Anhänger zu verstehen war. Damit sollten die gelben Leichensäcke symbolisiert werden, in denen einst kurdische Separatisten abtransportiert wurden, die bei bewaffneten Auseinandersetzungen mit staatlichen Sicherheitskräften ums Leben gekommen waren.
Die Amed-Fans im Stadion sollen mit dem Skandieren des Slogans „Jin, Jiyan, Azadî“, übersetzt „Frau, Leben, Freiheit“ reagiert haben. Ein Ausruf, der in der kurdischen Frauenbewegung weit verbreitet ist und der bei den Protesten nach dem Tod der iranischen Kurdin Mahsa Jîna Amini in Teheran im Jahr 2022 international bekannt wurde.
