Hinzu kommt, dass insbesondere die AfD in besagten Netzwerken extrem aktiv und erfolgreich ist und Söder sich hier wie im Parlament als personifizierte Brandmauer versteht, die AfD-Chefin Alice Weidel und Co das Feld nicht kampflos überlassen will: „Der Erfolg der Extremisten im Netz beruht auf Radikalität. Auf einer totalen Vereinfachung, das wollen wir in der Mitte nicht. Deshalb müssen wir andere Wege finden.“ Am Ende gehe es um Wirksamkeit: „Popularität führt zu Bindekraft.“ Es müsse aber auch die reale Politik funktionieren: „Das ist in Bayern der Fall, die Fakten sind eindeutig.“
Im Herbst 2025 schallt Söder aber auch noch von anderen Stellen parteiintern Kritik entgegen. Und dies nicht nur hinter verschlossenen Türen. Im Magazin „Stern“ nennt Horst Seehofer Söders Dauerattacke gegen die Grünen eine „strategische Fehlentscheidung“. Seehofers Vorgänger Erwin Huber wirft Söder vor, die CSU-Festlegung auf die Freien Wähler als Regierungspartner in Bayern nutze nur „dem Trittbrettfahrer Hubert Aiwanger“. Parteiintern mögen derartige Wortbeiträge kaum eine Rolle spielen, außerhalb der CSU kratzen sie dennoch an seiner demonstrativen Stärke.
Auch bei der Landesversammlung der Jungen Union musste sich Söder kürzlich öffentliche Kritik gefallen lassen: So stieß die Mütterrente – neben Asyl das milliardenschwere Kernthema der CSU im Bund – beim Parteinachwuchs auf wenig Gegenliebe. Bezogen auf Söders Machtrolle warnte ein Redner gar vor dem „Christian-Lindner-Syndrom“ in der CSU. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Mehrheit der JU-Redner Söder mit Standing Ovations applaudierte und die Zeit, in der CSU-Chefs die JU fürchten mussten, schon lange vorbei ist.
Gleichwohl ist der Vorwurf, Söder verstehe seine Arbeit als One-Man-Show, weder neu noch gänzlich von der Hand zu weisen. Tatsache ist, Söder ist im Moment absolut ungefährdet an der Spitze. Tatsache ist aber auch, dass die Partei seit Söder niemanden hervorgebracht hat, dem derzeit zugetraut wird, den Franken zu beerben. Darüber spricht in der CSU niemand laut, in kleinen Runden ist es aber längst Thema.














